#27 Behindert? Nur zwischen den Zeilen!

Shownotes

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Vorbestellung für Ninas Roman „Kaffee & Coaching“

Buch: "Mit einem lachenden Auge" von Sophie von Stockhausen bei Thalia

Kurzgeschichte: “Erwachen im Nebel” von Carsten Otto als Hörversion bei spitify oder als Textfassung bei Kulturregen

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presented by KnowDular e.V. 2026

In- und Outtromusik: „Island Boy“ von prazkhanal, https://pixabay.com/users/prazkhanal-24653570/

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Carsten: Willkommen zurück bei

Carsten: Tomaten auf der Fantasie.

Sophie: Wir, Carsten Otto

Carsten: Und Sophie von Stockhausen,

Sophie: Öffnen wieder unsere Kaffeeküche für den Behindertenblick auf die Arbeits- und Organisationswelt.

Sophie: Hallo Carsten.

Carsten: Hallo Sophie. Na, wie ist es im Herbst?

Sophie: Kalt, mir ist es so kalt. Ich finde, wir hatten gar keinen Herbst.

Sophie: Ich habe das Gefühl, dass alle Blätter in der letzten Woche gestürzt sind.

Sophie: Und es ist mir viel zu kalt.

Carsten: Ich frage mich immer, also ich teile das Gefühl, dass es echt schnell geht.

Carsten: Ich frage mich bloß, ob es nicht jedes Jahr so ist, wenn man immer wieder so

Carsten: Homer Simpson mäßig verwundert ist, weißt du?

Sophie: Ja, ich hasse ja auch den Herbst dann mit dieser Dunkelheit und das ist alles

Sophie: nicht meine. Also der Winter, das ist meine Jahreszeit.

Sophie: Also ich freue mich über Jahreszeiten irgendwo auch und ich freue mich auch

Sophie: so über diese gemütlichen Phasen davon.

Sophie: Aber dieses Draußen-Dunkel finde ich natürlich toll.

Carsten: Ja, also gerade früh dunkel. Ja, Orientierungsschwäche.

Carsten: Ich fühl dich. Ich musste letzte Woche frühmorgens noch im Dunkeln eine halbe

Carsten: Stunde durch ein Dorf laufen und da weiter arbeiten, wo ich mich nicht auskannte.

Sophie: Das ist bestimmt auch nicht beleuchtet gewesen, ne?

Carsten: Wenig.

Carsten: Schönen Gruß nach Ducherow in Mecklenburg-Vorpommern.

Sophie: Du hast Besuch mitgebracht.

Carsten: Ich habe Besuch mitgebracht und zwar Altbekannten und zwar habe ich mir mal

Carsten: überlegt, ich hatte letztens mit der Nina Mengeling

Carsten: telefoniert, die hatten wir in Folge 17 schon zu Besuch, also Ende 2025.

Carsten: Und sie berichtete mir, dass sie gerade dabei ist, ein neues Buch zu veröffentlichen.

Carsten: Und dann habe ich so gedacht, man, sie schreibt, du schreibst,

Carsten: ich habe schon mal geschrieben, lass doch einfach mal so über das Thema Schreiben

Carsten: und Behinderung sprechen.

Sophie: Cool. Da trittst du bei mir natürlich sehr offene Türen ein. Hallo Nina.

Nina: Hallo Sophie.

Carsten: Hallo Nina.

Nina: Hallo Carsten.

Sophie: Schön, dass du wieder da bist.

Nina: Ich freue mich auch. Und zwar über das Thema.

Nina: Also ohne Idee, Carsten, finde ich super. Habe auch ganz viele Fragen an euch.

Carsten: Manchmal habe ich solche Momente.

Carsten: Wie ist es denn dir im letzten Jahr ergangen?

Nina: Ah, einmal zurückdenken. Mit Jahreszahlen habe ich es irgendwie nicht so.

Nina: Am Anfang richtig gut, dann kam eine Phase, die auch durch ein paar Unfälle

Nina: und nicht so schöne Sachen geprägt war und dann wieder richtig gut.

Nina: Also insgesamt gute Mischung.

Carsten: Und Unfälle, du hast dich aber nicht dolle verletzt, oder?

Nina: Diesmal war nicht ich es, also. Aber es reicht, um einen ins Nachdenken zu bringen,

Nina: was auf einmal passieren kann, wie schnell Sachen sich ändern können oder auch

Nina: schwerwiegende Folgen haben können.

Nina: Ja, unbedingt.

Carsten: Unbedingt, unbedingt. Und du hast natürlich weitergeschrieben,

Carsten: du hast Anfang des Jahres ein neues Buch veröffentlicht und Und stehst jetzt

Carsten: erneut kurz vor einer Veröffentlichung, richtig?

Nina: Ja, genau. Anfang des Jahres habe ich ein kleines Kompendium veröffentlicht.

Nina: Wesentliches Wissen für mehr Wohlbefinden, wo ich alles zusammengefasst habe,

Nina: ganz kurz, was man tun kann, um das Wohlbefinden zu boosten.

Nina: Wirklich ganz knapp, dass man schnell lesen kann und dann aber auch öfter,

Nina: wenn man mal wieder in der Phase ist, wo es gerade nicht so gut läuft,

Nina: was man dann alles machen kann.

Carsten: Okay, also klingt ein bisschen nach Krisenbewältigung, Resilienz oder verbirgt

Carsten: sich was anderes dahinter?

Nina: Ja, das passt. Ich habe es genannt, Sorgen zähmen, Lebensgeister munter machen.

Carsten: Sorgen zähmen, Lebensgeister munter machen.

Sophie: Schöner Titel.

Carsten: Ja, das dockt auch schön an unsere Folge 17 an mit dir, Nina,

Carsten: wo wir auch nochmal drüber gesprochen hatten. Das war die Prä-Weihnachtsfolge.

Carsten: Wir werden es schaffen, zu Weihnachten die Besinnlichkeit schnell nach vorne zu holen.

Sophie: Stimmt. Ja, und vielleicht nur für alle, die jetzt die Folge 17 nicht gehört

Sophie: haben, auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann, für die,

Sophie: die es vielleicht nicht so präsent haben.

Sophie: Nochmal ganz kurz, du schreibst, aber du bist ja auch systemische Coach und

Sophie: auch Arbeitsmedizinerin, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Nina: Wissenschaftlerin, Medizinerin.

Sophie: Ja, genau.

Nina: Es geht mir um den Abläufe und das Miteinander und die Strukturen in der Arbeit.

Sophie: Genau, und so erklären sich ja natürlich auch jetzt bei den ersten beiden Büchern,

Sophie: die du veröffentlicht hast.

Sophie: Da war ja auch das Selbst erarbeitet glücklich.

Nina: Das war das Erste.

Sophie: Genau, da erklären sich ja auch so ein bisschen das, was dich da auch so antreibt.

Sophie: Das kannst du ja vielleicht auch nochmal kurz erzählen, wo sich diese beiden

Sophie: Welten, also dein Arbeiten jetzt in Workshops oder mit Personen im One-on-One

Sophie: und das Schreiben treffen.

Nina: Also das Buch Selbsterarbeitet glücklich, habe ich geschrieben,

Nina: um mich auch selbst aus einer schwierigen Situation herauszuschreiben.

Nina: Ich war damals durch eine Erkrankung sehr eingeschränkt mit dem, was ich machen konnte.

Nina: Und dieses gefangen zu sein und nicht mehr so leben zu können,

Nina: wie ich es mir wünsche und wie es vorher möglich war, hat mich natürlich beschäftigt

Nina: und dann habe ich beschlossen,

Nina: meine Coaching-Ausbildung nochmal an mir selbst durchzuführen und diesen Prozess,

Nina: zu dokumentieren, also auch aufzuschreiben, so dass er auch für andere Anregungen

Nina: geben kann und die Methoden, die ich angewandt habe, auch nachvollziehbar macht.

Nina: Das war so das erste Buch, das mich selbst mitbegleitet hat.

Nina: Und danach kam, wie gesagt, das Kompendium, wo ich nochmal ganz kurz zusammengefasst

Nina: habe, was man alles machen kann.

Nina: Das erste Buch hat 232 Seiten und das andere, das kleine, hat nur 46.

Nina: Das heißt, das kann man schnell lesen für die Menschen, die jetzt nicht viel

Nina: Geduld mitbringen, für die ich viel Verständnis aufbringe. Ich musste Geduld

Nina: auch erst sehr aufbringen.

Nina: Schwer lernen.

Nina: Jetzt habe ich natürlich schon fast wieder deine Frage.

Sophie: Mich hat interessiert, aber du hast es auch ein bisschen damit erzählt,

Sophie: weil du ja eben nicht nur Autorin,

Sophie: wobei das ja schon ein Fulltime-Job ist, sondern du ja auch als Coach unterwegs

Sophie: bist, Workshops gibst im Unternehmen, dich wissenschaftlich da auf dem Gebiet betätigst.

Sophie: Aber du hast es ja eigentlich erklärt, dass es einerseits deine eigene Geschichte,

Sophie: aber sicherlich fließen da ja auch Dinge aus dem Arbeitsalltag mit ein.

Nina: Ja, also viel aus meiner Coaching-Ausbildung und auch viel aus meinem Studium

Nina: der Arbeitswissenschaft,

Nina: wobei das ja für meinen ehemaligen Prof und meine Dozentinnen wird es erkenntlich

Nina: sein, wo da Bezüge sind für Menschen, die es so lesen,

Nina: werden die nicht unbedingt gleich denken, ah, Arbeitswissenschaft.

Nina: Aber das macht ja nichts. Wie man den Inhalt aufnimmt oder Sachen für sich mitnimmt,

Nina: das muss ja nicht immer im wissenschaftlichen Sinne sein.

Sophie: Nee, nee, gar nicht. Ich finde es ja oft auch viel pragmatischer,

Sophie: wenn du irgendwo an deinem eigenen Beispiel

Sophie: so anekdotisch, evident etwas erklärst oder erzählst und dann darauf aufbauend

Sophie: eben so ein bisschen die Meta-Ebene eröffnest mit strukturellen,

Sophie: institutionellen Problemen, Herausforderungen oder eben einfach

Sophie: Dingen, die wir dann generell beobachten.

Nina: Ich habe zwar ein Quellenverzeichnis angehängt, wo auch viele,

Nina: arbeitswirtschaftliche Quellen mit dabei sind, damit Menschen,

Nina: die sich wirklich richtig reinknien wollen, auch nochmal die Möglichkeit haben,

Nina: das eine oder andere nachzulesen oder zu hören.

Nina: Da ist auch einiges zusammengekommen, was mich so inspiriert hat.

Nina: Aber es ist jetzt nicht so, dass es nötig ist, um das Buch zu verstehen,

Nina: ganz im Gegenteil. Also ich habe versucht, alle Sachen, die ich gelernt habe

Nina: und mir auch teilweise mühsam erarbeitet habe, möglichst leicht zu präsentieren,

Nina: leicht verständlich, zugänglich zu machen.

Carsten: Ja, vielleicht nochmal den Scheinwerfer auch hinter die Kulissen zu legen, weil, sag mal so,

Carsten: Coaching-Tools, so ein bisschen auch Selbstratgeber, weißt du,

Carsten: also Selbsthilfe, Literatur, da würde ich es auch ein bisschen mit einordnen, richtig?

Nina: Ja.

Carsten: Das schreiben ja viele, aber auch viele halt auf Basis von wenig eigener Krisenerfahrung.

Carsten: Ja, aber da muss man mal ganz klar sagen, da steht ja bei dir felsenfest wirklich

Carsten: Krisenerfahrung hoch 10 im Hintergrund.

Carsten: Wenn ich mich recht, wenn ich es nochmal kurz zusammenfassen darf.

Carsten: Also du hast Multiple Sklerose MS,

Carsten: du bist gesetzlich fast blind und hast dir auch noch im letzten Jahr dann eine

Carsten: Fatigue zugelegt, richtig?

Nina: Ja, genau. Also wie die Fatigue dazu kam, kann durch die MS passiert sein oder

Nina: durch Spätfolgen Corona oder auch eine Überforderung, weil ich trotz der Blindheit,

Nina: mir zu viel abverlangt habe und Strukturen gearbeitet habe,

Nina: die einfach nicht dafür ausgelegt waren, mit Blindheit arbeiten zu können.

Nina: Also man kann sich natürlich trotzdem auf dem Zahnfleisch vorankriechen und dabei noch lächeln.

Nina: Das funktioniert aber halt nur, bei mir hat das nur für eine bestimmte Zeit

Nina: funktioniert, bis ich eingesehen habe, dass das nicht mein Weg sein kann.

Carsten: Ja, oder einsehen muss, das klingt ja eher danach, ja.

Nina: Ja, also ich habe für mich oft so ein einstellendes Ereignis gebraucht,

Nina: um festzustellen, nein, okay, es geht wohl doch nicht.

Nina: Einfach nur, dass es schwer ist, zählte nicht für mich. Es musste schon wirklich was kommen.

Nina: Und das hat es. Also ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob es 23 oder 24 war,

Nina: wo mich die Fatigue richtig aus den Schuhen gehauen hat.

Nina: Aber das war für mich der Weckruf, um zu sehen, so geht es nicht,

Nina: ich muss andere Wege finden.

Nina: Und dafür bin ich im Rückblick sehr dankbar. Also nicht unbedingt dafür,

Nina: wie es kommen musste, damit ich so weit komme, aber für das,

Nina: was sich daraus entwickelt hat.

Sophie: Also ich kenne das leider auch sehr gut, da wollte Carsten gerade erzählen,

Sophie: dass ich letzte Woche auch wieder so einen halben Schwindel,

Sophie: Nervenzusammenbruch hatte, weil es einfach, ja, ich brauche dann leider auch

Sophie: immer diesen Körper, der mir sagt, stopp, bis hierher und nicht weiter, bitte.

Sophie: Und ich glaube, das ist inzwischen unabhängig davon, ob wir in Institutionen

Sophie: angestellt oder für Institutionen arbeiten oder uns selbstständig Arbeit auferlegen,

Sophie: denn das bedeutet ja nicht

Sophie: für mich bedeutet das jedenfalls leider nicht, dass ich da achtsamer mit mir

Sophie: umgehe oder auf frühe Signale höre aber du sagst, du musstest das lernen und

Sophie: hast du das Gefühl, dass dir das jetzt wesentlich besser gelingt?

Nina: Oh ja, absolut.

Nina: Entscheidend war dafür auch ein Tipp aus dem Fatigue-Management,

Nina: der für mich sehr gut passte.

Nina: Da geht es einfach darum zu sagen, okay, wie ist mein Energieniveau und dass

Nina: ich mich schon zurückziehe, wenn ich noch nicht bei 0 oder bei minus 3 bin,

Nina: sondern meinetwegen bei 2.

Nina: Dann brauche ich nicht so lange, um mich wieder zu erholen und es kommt nicht

Nina: zu tagelangen Phasen, wo ich kaum mehr schaffe als schlafen.

Nina: Das habe ich schon lange nicht mehr.

Sophie: Spürst du das selber? Also ich habe neulich eine Freundin getroffen,

Sophie: die hat tatsächlich so eine App, das muss dann so ein bisschen so funktionieren

Sophie: wie diese Schlafringe oder so, die ihr dann wirklich einfach sagt, so und so viel Uhr,

Sophie: der Akku ist bei 5%, jetzt ist wirklich Zeit nach Hause und ins Bett zu gehen.

Sophie: Gibt es da so Hilfsmittel, die du auch nutzt?

Nina: Witzig. In meinem neuen Buch, in meinem Roman benutzt meine Protagonistin so eine App,

Nina: die ihr Mann für sie extra programmiert hat auf ihre speziellen Anzeichen was bei ihr passiert,

Nina: ich habe ihnen das für mich gewünscht habe aber keine gefunden die zu dem passt

Nina: was bei mir Frühzeichen sind,

Nina: ich habe es mir dann einfach mal aufgeschrieben, Zettel hingelegt und immer

Nina: so zwischendurch geübt, auch mal drauf zu achten was passiert und mich danach zu richten,

Nina: Denn mittlerweile habe ich ein super Frühwarnzeichen, das total unauffällig

Nina: ist, aber meine Haut an die Finger knöcheln wird ganz rau.

Nina: Ah. Mhm. Wirklich schlagartig.

Sophie: Alle checken gerade. Genau. Ich fühl gerade mal.

Nina: Es ist alles gut. Und immer, wenn das der Fall ist, weiß ich,

Nina: okay, ich muss mal wieder ein bisschen besser auf mich aufpassen.

Sophie: Bei mir sind es Ohrengeräusche.

Nina: Ja, das ist Sausen, oder? Mhm. Ja, das auch.

Sophie: Immer so wie zugeht und ich habe das Gefühl, auf dem linken Ohr, ich bin unter Wasser.

Sophie: Du hast ja jetzt eben schon die Protagonistin erzählt, das ist ja eine hervorragende

Sophie: Steilvorlage, um jetzt mal auf dein aktuelles Buch und zwar diesmal einen Roman

Sophie: zu sprechen zu kommen. Du hast mir eben, darf ich den Titel sagen?

Sophie: Ja, den Titel verraten? Ja, darfst du.

Sophie: Kaffee und Coaching in Kleinhagen, das klingt super für diesen Megatitel.

Sophie: Herzlichen Glückwunsch schon mal dazu.

Nina: Danke sehr.

Sophie: Worum geht es?

Nina: Es geht um eine Protagonistin, die sich kreativ mit erschwerten Bedingungen

Nina: arrangiert, nämlich ihre Erblindung, dabei ratsuchende Coach und auch mal das

Nina: ein oder andere Verbrechen abwendet.

Nina: Ursprünglich sollte es ein Krimi

Nina: werden, ein Kosequime, also wie ich auch selbst sehr, sehr gerne höre.

Nina: Aber auch durch den Unfall, der jetzt im Mitte des Jahres passiert ist,

Nina: war mir überhaupt nicht mehr danach, irgendjemand in Gefahr zu bringen.

Nina: Wollte ich einfach nicht mehr.

Sophie: Nicht mal die Putter gelassen?

Nina: Nein, noch nicht mehr die. Also in den typischen Krimis ist es ja so,

Nina: dass die dann mindestens fünfmal den Kopf irgendwo aufschlagen und dass sich

Nina: arme Beine sonst was brechen und so weiter und so fort.

Nina: Die werden dir immer ganz übel gebeutelt. Wollte ich nicht.

Nina: Es sollte ein ganz behaglicher Roman werden.

Nina: Und auch wenn es Konflikte gibt, das verrate ich auch schon im Klappentext,

Nina: dass es am Ende ein bisschen besser wird, auch für die Protagonistin.

Sophie: Cool, habe ich jetzt schon Weihnachtsgeschenke für eine Person,

Sophie: die nämlich genau gerne sowas liest. Die kann nämlich auch so brutale Krimis

Sophie: nicht lesen, liest aber gerne Krimis.

Sophie: Also dann habe ich schon mal ein gutes Weihnachtsgeschenk.

Carsten: Wo liegt denn Klein Hagen?

Nina: Ja, es hat viel Ähnlichkeit mit meiner Heimatstadt, ist aber eine fiktive Stadt,

Nina: weil ich auch ein paar Begebenheiten einbauen wollte, die real nicht vorhanden

Nina: sind, die mal schön wären.

Nina: Vielleicht nimmt sich der ein oder andere, der sich da doch,

Nina: also das ein oder andere Geschäft, das sich da wiedererkennt,

Nina: das doch zu Herzen und schafft doch mal bequeme Sesseln an oder so.

Carsten: Ja, und deine Protagonistin, also Erblindung höre ich, Coaching höre ich,

Carsten: jetzt denke ich mir natürlich gleich im ersten Moment, aha, das klingt sehr autobiografisch.

Sophie: Das nennt man autofiktional, wenn ich hier mal so beziehe. Lesserwissern darf.

Carsten: Aber sowas von, wie gesagt.

Nina: Unbedingt, denn sie hat natürlich einiges von mir, weil ich meine Wahrnehmung

Nina: auch gerne mit einbringen wollte.

Nina: Es gibt wenig Bücher oder generell Literatur, Hörbücher, was auch immer,

Nina: wo die Protagonistin eine Behinderung haben.

Nina: Und ich fand es einfach auch interessant, das mit einzubringen,

Nina: und ein bisschen, ja, es gibt die Chance auch einfach mal zu erzählen,

Nina: welche ganz alltäglichen,

Nina: Erschwernisse oder Behinderungen auftauchen, wenn man kaum noch etwas sieht.

Sophie: Ja, und weißt du, was ich daran so schön finde? Mir ist das auch immer wichtig,

Sophie: wenn ich mal so Serien sehe oder Bücher lese, wo eben dann doch mal eine behinderte Figur auftaucht,

Sophie: dass es dann eben nicht so Stereotyp abrutscht in,

Sophie: wenn wir jetzt mal im Krimi-Genre bleiben wollen, die blinde Ermittlerin mit

Sophie: der super Eingebung und dem sechsten Sinn und so weiter, sondern das,

Sophie: so wie du sagst, es geht eben eigentlich eher um so alltägliche Dinge.

Sophie: Oder dass dann der Entwickler im Rollstuhl, den sieht man ja im Fernsehen dann

Sophie: recht häufig, dass der dann der Nerd ist oder so.

Sophie: Und das finde ich immer so schade. Da verpassen wir irgendwie so eine Chance,

Sophie: mal aus diesen typischen Stereotypen-Framings rauszukommen.

Sophie: Und das hört sich jetzt sehr gut an, dass du das einfach mal anders aufziehst.

Nina: Also es kommt natürlich viel von dem, was ich erlebe.

Nina: Und das, was ich aus Gesprächen mit anderen sehbehinderten Blinden kenne,

Nina: fließt auch irgendwo mit ein. Es ist ja nicht eins zu eins meine Person,

Nina: was in der Protagonistin widerspiegelt.

Nina: Aber viele der positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe, tauchen da halt

Nina: auch auf, also gerade was passiert.

Nina: Und an der einen Stelle habe ich, wo eine andere Person die Protagonistin betrachtet

Nina: und zuerst denkt, die ist aber

Nina: irgendwie merkwürdig, warum baut sie sich denn so nah über die Waren und,

Nina: will sie schon abwenden, weil es ihr einfach unangenehm ist.

Nina: Und deckt dann den Blindenstock und denkt sich, ach, ich frage sie mal, ob sie Hilfe braucht.

Nina: Also das ist etwas, das ich selbst beobachtet habe. Sobald ich mit dem Blindenstock

Nina: unterwegs bin, bekomme ich auch Hilfe. sehr, sehr freundlich.

Sophie: Genau.

Nina: Und wenn ich die nicht dabei habe,

Nina: ich kann es eigentlich nur aus der Vergangenheit sprechen, weil ich es selbst

Nina: mittlerweile nicht mehr sehe, haben mich komische Blicke zugeworfen.

Nina: Wahrscheinlich ist das heute auch noch so, aber vielleicht auch nicht.

Nina: Ich kann es leider nicht mehr erkennen.

Sophie: Ja, Carsten, du kannst das ja teilen, weil du gehst ja weder markiert noch mit Stock, ne?

Carsten: Ja, was man erzeugt, ist halt so genannte kognitive Dissonanz bei den Leuten.

Carsten: Also man zeigt halt ein Verhalten, was die jetzt erstmal mit dir als Person nicht übereinbringen.

Carsten: Also siehst nicht behindert aus, benimmst dich aber behindert,

Carsten: wenn man es mal so ganz banal und flapsig

Carsten: sagen will. Aber ich mache auch gute Erfahrungen, wenn ich sage,

Carsten: ich sehe ein bisschen schlecht, das hatte ich jetzt letztens wieder im Zug Dingslesen hier,

Carsten: Zug voll, ich suche meine Sitzplätze, eine Dame angesprochen,

Carsten: ich sehe ein bisschen schlecht, ich suche meine Sitzplätze, das war völlig,

Carsten: das ist völlig unproblematisch.

Carsten: Das ist immer die Frage, an wen du da gerätst.

Carsten: Wenn man es freundlich kommuniziert, das glaube ich, alles im grünen Bereich.

Sophie: Ja, aber ich fand, also im Zug, finde ich, habe ich noch nie schlechte Erfahrungen

Sophie: gemacht, muss ich ganz ehrlich sagen. Egal, also ich habe das Gefühl,

Sophie: im Zug sind immer alle nett. Meistens.

Sophie: Aber es gibt schon die Situationen, die ich auch noch kenne,

Sophie: selbst wenn ich einen Button hatte, den dann eine Verkaufsperson nicht gesehen

Sophie: hat oder irgendeine Person in der Straße nicht kennt oder nicht gesehen hat,

Sophie: dass dann schon manchmal so flapsige Bemerkungen kommen, ja wieso steht doch

Sophie: da, können sie nicht lesen oder was.

Sophie: Oder wer lesen kann, ist klar ein Vorteil oder so.

Sophie: Oder ja, also ich habe Da war ja eine ganze Sammlung an Retouren,

Sophie: die mir da entgegnet wurden.

Sophie: Und klar, ist jetzt nie ein Drama, aber man muss halt oder ist gezwungen,

Sophie: ich weiß nicht, Nina, wie du das erinnerst, einfach mehr zu kommunizieren,

Sophie: um jetzt was ganz Simples wie den Preis eines Brotes zu erfragen.

Nina: Oh ja, also ich habe mich da sehr drin wiedergefunden. Du hast das ja auch in

Nina: deinem Buch geschrieben.

Nina: Und ich konnte an fast alles einen Haken machen. Ja, kenne ich auch,

Nina: kenne ich auch. Genau so.

Nina: Also das hat bei mir auch auf sehr

Nina: vielen unterschiedlichen Ebenen mitgeschwungen, was du berichtet hast.

Nina: Und gerade dieses, können sie nicht lesen, in einem sehr vorfußvollen,

Nina: abwertenden Tonfall habe ich unzählige Male zu hören bekommen.

Sophie: Und dann kommt ja gleich wieder dieses selbe, ja dieses internalisierte Stigma

Sophie: auf, dass ich dann auch manchmal glaube, jetzt denken die bestimmt,

Sophie: ich bin, wie sagt man jetzt, mangelhaft literalisiert?

Sophie: Oh, gering literalisiert.

Carsten: Ja, als Autorin, bietet sich an. Ja,

Carsten: aber es kommt doch auf den Fokus drauf an. Ich glaube, ich habe die Geschichte

Carsten: schon mal erzählt. Ich bin irgendwann mal nach Frankfurt gefahren,

Carsten: steige halt in diesen ICE ein und laufe mit dieser Masse von Leuten da durch

Carsten: diese Abteil durch, durch diesen Waggon.

Carsten: Und dann steht da eine ältere Dame und ich biege so ab und frage sie so,

Carsten: ich habe die Brille vergessen, können Sie mir mal helfen, meine Sitzplätze zu

Carsten: finden? Und sie guckt mir und sagt so, aha, ertappt.

Carsten: Sie sind Legastheniker.

Carsten: Und ich so, nee, aber fast. Wie, fast? Ich

Carsten: so, wenn, dann bin ich Schwarzschriftlegastheniker, bin ich fast blind.

Carsten: Ach so, naja, komm. Und dann zog die mich am Arm entgegen des Stroms zu meinen

Carsten: Sitzplätzen, laut rufend, komm mal durch, der Mann ist blind.

Carsten: Oder so, denkst du. Oh Gott. Entschuldigung.

Carsten: Oh Gott, war das peinlich. Aber ey, das passiert halt einfach.

Carsten: Und sie hat es halt gut gemeint, das ist so das Thema.

Carsten: Aber das erzeugt eine Spannung, da bin ich bei euch.

Nina: Ich hätte mich kaputt gelacht.

Sophie: Naja, du mir wahrscheinlich auch.

Carsten: Ja, da war mein männliches Ego ein bisschen an die Hand.

Nina: Es ist so, lassen Sie mich durch, ich bin Arzt.

Carsten: Genau.

Carsten: Ja, lassen Sie mich Arzt, ich bin durch. Ja, genau.

Carsten: Ja, ja, aber das ist so der Thema.

Carsten: Die Frage ist ja die, die sich mir halt immer wieder stellt, ist, mh,

Carsten: Vielleicht kennt ihr das auch. Wenn man so eine Geschichte in einem nicht behinderten

Carsten: Umfeld teilt, sagen die immer, ey, das musst du mal aufschreiben.

Carsten: Das musst du mal schreiben. Schreib doch mal deine Geschichte.

Carsten: Du hast schon so viel erlebt. Schreib das doch mal auf. Wisst ihr,

Carsten: was ich meine? Kennt ihr das auch?

Nina: Nein. Nein. Nein.

Carsten: Ist sehr spannend.

Nina: Das kenne ich tatsächlich nicht. Also über andere Geschichten,

Nina: aber nicht unbedingt, was meine Blindheit angeht. Wobei es da auch viele lustige

Nina: Sachen gibt, die man machen kann.

Nina: Ich glaube, das ist eh so dieses Umframing. Also früher hätte mich die Geschichte,

Nina: die du gerade geschildert hast, im Zug,

Nina: Total furchtbar fühlen lassen. Ich hätte mich so blamiert gefühlt und hätte

Nina: da monatelang dran geknappst.

Nina: Mittlerweile hätte ich freundlich grinsend in die Runde geguckt,

Nina: vielleicht noch ein bisschen mit der Hand gewunken wie die Queen und diese Sonderrolle

Nina: genutzt, um dahin zu kommen, wo ich hin möchte.

Carsten: Du, grundsätzlich bin ich da ganz bei dir. Also das zerrt jetzt nicht an mir.

Carsten: Der Witz war dann eher, dass ich mich dann an einem Fensterplatz wiederfand

Carsten: und neben mir eine fremde Person saß.

Carsten: Und jedes Mal, wenn ich mich irgendwie bewegte, war die der Meinung,

Carsten: ich will raus und zuckte tierisch zusammen.

Carsten: Und man fährt dann mit dem Sprinter, glaube ich, so vier, viereinhalb Stunden bis nach Frankfurt.

Carsten: Also ich hatte dann die ganze Zeit so eine hoch angespannte Person neben mir zu sitzen.

Carsten: Und als ich dann wirklich mal auf Toilette musste, wende ich mich zu hören und

Carsten: sage, Entschuldigung, durfte ich mal, und in dem Moment stand die schon.

Carsten: Ja, ja, ja, ja. Aber sie kommen klar. Und da habe ich so gedacht,

Carsten: jetzt läuft die Angst, können Sie mir bitte beim Toilette gehen helfen?

Carsten: Und ich war kurz bedarft, auch das kurz anzusprechen und zu sagen,

Carsten: Sie wissen ja, dass ich schlecht gucken kann.

Carsten: Sie müssten mir jetzt schon helfen auf der Toilette.

Sophie: Ja, aber Worst-Haste-Szenario, in der Zugtoilette.

Carsten: Genau.

Sophie: Aber Nina, mich wird das interessieren. Also du sagst dieses,

Sophie: weil ich habe das auch nicht,

Sophie: ich glaube, ich habe das auch nicht viel gehört, weil ich ja irgendwo das auch

Sophie: eher von mir aus ging, dass ich ja schon ganz früh so Blogs und kleine Kurzgeschichten

Sophie: aufgeschrieben habe, die ich dann, oder so essayistische Texte,

Sophie: die ich dann auch mitunter irgendwo vorlesen habe lassen.

Sophie: Aber wie war das bei dir, wenn du sagst, Das kam jetzt überhaupt nicht vom Außen

Sophie: und du hattest ja eingangs schon erzählt, dass jetzt aus diesem beruflichen

Sophie: Kontext da du irgendwie das schon noch verspürt hast.

Sophie: Aber was hat dich angetrieben zu sagen, ich will auch unbedingt jetzt sowohl

Sophie: Sachtexte als auch einen Roman schreiben?

Nina: Also ich glaube, der Roman basiert auf meiner Faszination für Choreografie und

Nina: Kausalketten für Ereignisse.

Sophie: Das musst du erklären.

Nina: Ich muss das auch nachschlagen, wie das Fachwort dafür heißt.

Nina: Kennt man am besten aus dem Vorspann von Sherlock Holmes, das ist glaube ich auch so.

Nina: Du stößt einen Gegenstand an, dann rollt er weiter, dann stößt er einen zweiten

Nina: an, dann passiert was anderes.

Nina: Dann und so weiter und so fort und ganz am Ende passiert dann das, was passieren soll.

Nina: Oder bei Dominoketten, du stößt einen Dominostein ein, die rattern,

Nina: rattern, rattern, rattern, kommen an eine Kreuzung, das nimmt eine andere Richtung

Nina: oder du stößt drei Dominosteine an, die dann irgendwie miteinander alliieren

Nina: und dann am Ende alle umgefallen sind.

Sophie: Und welches waren die Steine, die denn bei dir dazu füllen?

Nina: Ah, mich interessiert einfach dieser Aufbau, also die Choreografie des Ganzen.

Nina: Also in Bezug auf meinen Roman, wer muss wann welche Informationen bekommen

Nina: oder Bedürfnisse mitteilen, damit Handlung XY möglich wird.

Nina: Und wer muss wann an welchem Ort sein und etwas mitbekommen oder auch tun,

Nina: um die Handlung in Gang zu bringen.

Nina: Diesen Hintergrund finde ich mal total spannend und ich liebe Filme oder auch

Nina: Bücher, wo das so beschrieben wird das wollte ich auch selber machen.

Sophie: Das ist ja toll, das ist sehr interessant weil du ja da schon sehr dramaturgisch

Sophie: rangehst, ich glaube bei einer

Sophie: auch wenn es jetzt nicht nur eine Kriminalgeschichte ist, aber wenn man so einen

Sophie: Art soft kriminalistischen Aufbau hat, ist es ja wichtig, dass man das tatsächlich

Sophie: auch von Ende bis Anfang bis Ende ein bisschen durchgedacht hat, ne?

Nina: Ja, also den Anspruch habe ich zumindest. Ich finde ja auch in Hörbüchern ganz oft kleine Fehlerchen.

Nina: Also mal, dass die Augenfarbe anders als am Anfang des Buches oder sowas.

Sophie: Schlechtes Continuity-Dokument, würde ich sagen.

Nina: Ja, und manchmal ärgert mich das, manchmal freue ich mich auch,

Nina: dass ich es mitbekommen habe, aber dann ärgere ich mich darüber,

Nina: dass ich es nicht wirklich nachvollziehen kann.

Nina: Also ich gehe da nicht nochmal zurück und höre die andere Stelle, wo das passiert ist.

Nina: Im Buch könnte ich einfach suchen oder wenn es ein E-Book wäre,

Nina: aber in meinem Hörbuch dann bestimmte Stellen suchen, da habe ich nicht genug,

Nina: Geduld oder Dopamin für.

Nina: Deshalb habe ich mir aber auch überlegt, wie schaffe ich das hinzukriegen,

Nina: dass es Kontinuität gibt, dass die Menschen nicht auf einmal die Augenfarbe

Nina: oder irgendwas anderes ändern,

Nina: ohne dass es erklärt wird oder plausibel ist.

Nina: Und habe dann tatsächlich zwischendurch auch eine Phase gehabt,

Nina: wo ich die ersten 60 Seiten geschrieben habe und es zu viel wurde, um es mir zu merken.

Nina: Also es gab zu viele Handlungsstränge, die ich aber gerne so einbinden wollte.

Nina: Dann habe ich überlegt, ob ich eine Pinnwand mache, was natürlich,

Nina: wenn ich es lesen können möchte, muss es sehr groß geschrieben sein.

Nina: Das wäre also eine Pinnwand im Ausmaß von ich hätte das Arbeitszimmer mit Quark tapezieren müssen.

Nina: Und dann irgendwann bin ich dann wieder zu dem Format gekommen,

Nina: das ich auch schon früher benutzt habe, eine Excel-Tabelle.

Nina: Und zusätzlich noch eine PowerPoint-Datei, wo es dann nochmal ein bisschen deutlicher

Nina: für mich aufbereitet ist, aber die werde ich langfristig nicht nutzen können

Nina: und werde es dann auch nochmal in Excel überführen müssen.

Nina: Was natürlich für Konzentration und Aufnahmefähigkeit nochmal eine besondere Herausforderung ist.

Nina: Aber da wachse ich dann ja so langsam rein. Mein Roman ist ja als Serie angelegt,

Nina: weil sie die Protagonistin werden.

Nina: Und die Handlungen werden sich ja auch über mehrere Bände hinwegziehen,

Nina: wobei es immer so abgeschlossen ist mit einem Band, dass der nicht so ein Cliffhanger ist oder so.

Nina: Ich möchte wirklich einen behaglichen Roman schreiben, den man liest und sich

Nina: darin freut und dann denkt, okay, schönes Ende, kann noch ein bisschen weitergehen,

Nina: aber erstmals alles so abgerundet.

Sophie: Und Kaffee und Coaching ist jetzt der erste Band dieser Reihe.

Nina: Genau, Kaffee und Coaching ist die Überschrift, unter der es läuft.

Nina: Also die anderen Bände werden auch Kaffee und Coaching heißen.

Nina: Und der Bandname von dem ersten heißt Konflikte und Kooperationen.

Nina: Möchtest du aufbauen, dass immer ein Wort dabei ist, das auf das Coaching Bezug

Nina: nimmt, die Kooperation in dem Fall.

Nina: Und gerne mit an Literationen, mal schauen, wie lange ich das durchhalte. Ja, das machst du gerne.

Sophie: Ne?

Nina: Ja.

Carsten: Marvel-Leserin.

Nina: Nein, schon vorher.

Carsten: Na dann halt wahrscheinlich die Donald Duck-Hälfte.

Sophie: Stimmt, die waren, das habe ich beim Lesen mit meinem Sohn wieder gemerkt,

Sophie: was eigentlich Donald Duck für eine lustige Sprache ist. Dass das nicht jetzt

Sophie: so, unsere Eltern haben ja auf Comics damals total runtergeguckt und gesagt,

Sophie: was lest ihr denn da für Schrott?

Sophie: Aber heutzutage denke ich mir, nee, die sind lustig formuliert und gerne auch sprachwitzig.

Carsten: Ja, aber Alliteration ist gerade da in dem Bereich ja auch sehr verbreitet.

Nina: Ja, genau.

Carsten: Bei den Looney Tunes auch, also ja, und ja,

Carsten: Ja, ja, genau.

Nina: Aber das fängt ja auch schon bei Schüttelreihen an. Also Faszination gab es,

Nina: glaube ich, schon bevor es Comics gab.

Sophie: Nee, klar, aber das zeigt ja, dass eben, ich glaube, das würde man heute dann

Sophie: in dieser ganzen Manga- und Anime-Welt auch natürlich völlig unterschreiben,

Sophie: dass es da durchaus sehr, sehr tolle Graphic-Novels gibt, die wunderbar poetisch sind

Sophie: und sprachlich fein.

Sophie: Aber nur in dieser Sicht, wie jetzt unsere Elterngeneration noch auf Comics

Sophie: geblickt hat, finde ich, hat man da gerade diesen Donald Duck Unrecht getroffen.

Sophie: Mein Asterix fand unsere Eltern auch witzig, aber da gibt es ja ein paar Beispiele,

Sophie: wo es sprachlich wirklich sehr, sehr wild zugeht und lustig.

Sophie: Aber nochmal ganz kurz zurückzugehen zu diesem Excel, weil mich das wirklich

Sophie: interessiert, weil ich das ganz anders mache in meinem Roman.

Sophie: Du hast dann dort ein Dokument, wo du sozusagen deine Protagonistinnen,

Sophie: die da auch irgendwann mal auftauchen werden, dokumentierst,

Sophie: wo du aber auch Orte oder eben Handlungsstränge festhältst? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Nina: In der Excel-Datei habe ich in jeder Spalte einen Charakter und in den Zeilen

Nina: dann den Ablauf. Also im aktuellen Roman bin ich auch noch Datum vorgegangen. Der startet am 18.

Nina: November und endet am 19. Dezember.

Nina: Deshalb hoffe ich auch, dass es Anfang November man dann rauskommt,

Nina: ist gerade noch in den Strukturen der Qualitätssicherung umgekehrt,

Nina: Aber zurück zur Textabelle. Ich habe dann in die einzelnen Zeilen geschrieben,

Nina: was passiert, in Stichworten.

Nina: Also damit ich weiß, wer wann was zu wem gesagt hat und welches Wissen aufgenommen hat.

Nina: Und dann pro Person dann halt diese Felder gefüllt.

Carsten: Dafür gibt es ja auch richtig Software, für Rollen, Dramaturgie,

Carsten: Handlungsstränge, Informationen und so weiter und so fort, habe ich gesehen.

Nina: Gibt es ganz sicherlich, aber ich habe mit solcher Software meistens Schwierigkeiten

Nina: oder schlechte Erfahrungen gemacht, was die Nutzbarkeit mit Screenreader angeht.

Carsten: Hashtag Barrierefreiheit.

Nina: Ja, genau. Und Äpfel geht. Ich finde sie.

Sophie: Oft auch überingeniert. Also ich finde immer, gut, ich weiß jetzt nicht,

Sophie: wie umfangreich dein Werk werden wird.

Sophie: Ich habe so mit meinem Sachbruch gearbeitet, da habe ich mir ein Dokument jetzt

Sophie: gemacht, wo ich dann eben immer

Sophie: mir die Kapitel überschriften und dann, ich weiß nicht, ob ihr in der Schule

Sophie: auch den Sympathissimus lesen musste, da wurde ja eigentlich immer wie so ein

Sophie: kleiner Prolog am Anfang bei jedem Kapitel erklärt, was in diesem Kapitel passieren wird.

Sophie: Und so habe ich das auch gemacht, also was du beschreibst. Und ich hatte jetzt

Sophie: natürlich nicht viele Protagonistinnen, aber dass ich wenigstens wusste, okay, in diesem Kapitel

Sophie: kommt strukturelle Barrieren vor oder kommen anekdotische Evidenz oder Beispiel

Sophie: XY vor, sodass ich wusste, dass ich jetzt auch nicht Sachen doppelt erzähle oder so.

Sophie: Deshalb macht das natürlich schon total

Carsten: Entschuldige bitte meine

Sophie: Huste. Ja.

Sophie: Sag mal, wie hast du es denn los gemacht, Carsten?

Carsten: Na, ich habe ja, wie gesagt, ich habe ja nur eine kurze Geschichte geschrieben.

Carsten: Glücklicherweise unter professioneller Begleitung.

Carsten: Lieber ein großes Gruß an Stefan Oschwart an der Stelle.

Carsten: Und bei mir ist es ja wirklich autobiografisch gewesen.

Carsten: Also zumindestens der Haupthandlungsstrang ist halt Erinnerungsarbeit gewesen.

Carsten: Weißt du, was ich meine? Und aus dem Grunde brauchte ich halt jetzt nicht Rollen

Carsten: und Dramaturgie und wie auch immer, zum einen aufgrund der Länge und der mangelnden

Carsten: Komplexität aufgrund der Länge und zum anderen, weil ich es ja alles schon im Kopf habe.

Carsten: Also habe es ja so erlebt, weißt du.

Carsten: Von daher brauchte ich jetzt nicht irgendwie noch ein Dokument, sondern die,

Carsten: bei mir war glaube ich eher die Herausforderung, mich nochmal wirklich in die

Carsten: Zeit davor, waren es damals 25, 26 Jahren, nochmal wirklich so rein zu begeben, rein zu fühlen,

Carsten: nochmal Kontakt aufzunehmen mit der ganzen Thematik und das nochmal wirklich

Carsten: auch nochmal so nachzufühlen.

Carsten: Das war, glaube ich, eher die spannendere Herausforderung bei mir.

Sophie: Und ja wahrscheinlich auch emotional, oder?

Carsten: Naja,

Carsten: Emotional, ja. Also klar, immer wenn du so, also wie gesagt,

Carsten: Kernthema, vielleicht um das nochmal zu erklären.

Carsten: Ich habe in dieser Kurzgeschichte den ersten Tag nach meinem Autounfall,

Carsten: wo ich aus dem Koma erwacht bin.

Carsten: Und also der erste Tag nach dem Unfall, an den ich mich erinnern kann,

Carsten: weil ich da auf der Wachstation vom Krankenhaus lag,

Carsten: den habe ich nochmal sozusagen rekonstruiert und nach bestmöglichem Wissen und

Carsten: gewissenden Erinnerungen mit Familie, Freunden nochmal drüber gesprochen und

Carsten: wirklich nochmal versucht, so einen

Carsten: realistischen Ablauf nachzugestalten.

Carsten: Was natürlich schwierig ist, weil, wie gesagt, wir schlagen uns ja erinnerungstechnisch

Carsten: immer wieder ein Schnippchen.

Carsten: Das ist aber ganz gut gelungen und

Carsten: ich habe über die Arbeit gemerkt, dass ich das gut, gut verarbeitet habe.

Carsten: Also da war jetzt nicht irgendwie, dass ich gemerkt habe, ich will an bestimmte Dinge nicht ran oder

Carsten: irgendwelche

Carsten: Tiefen Löcher warten auf mich. Natürlich ist es immer irgendwie emotional und

Carsten: schmerzhaft, da nochmal Biografiearbeit zu machen, nochmal wirklich die alten

Carsten: Kuscheltiere, die Zeitungsartikel

Carsten: in die Hand zu nehmen, noch mal zu den alten Orten zu fahren,

Carsten: sich mit Freundin und Familie noch mal ganz intensiv dazu auseinanderzusetzen,

Carsten: an was erinnern die sich eigentlich, an was erinnere ich mich,

Carsten: wo sind Parallelen, ähm,

Carsten: Das hatte eher was Therapeutisches für mich, muss ich sagen.

Sophie: Genau, das ist ja auch ein gutes Stichwort, weil das wird ja häufig Menschen

Sophie: mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen oder überhaupt, die vielleicht eine

Sophie: krasse Unfallkrankheitserfahrung schildern literarisch.

Sophie: Das wird ja oft unter so einem allgemeinen Begriff Betroffenheitsliteratur abgehandelt

Sophie: und der ist dann auch nicht immer positiv konnotiert, sage ich jetzt mal ganz vorsichtig.

Sophie: Also ich habe auch, als ich darüber gesprochen habe, dass ich das vorhabe zu

Sophie: schreiben, häufig gehört, ja, ja, schreib dich mal frei, therapeutisches Schreiben,

Sophie: ha, ha, ha und so. Ich bin dann überhaupt nicht ernst genommen worden.

Sophie: Und Nina, da würde mich mal interessieren, wie das bei dir war.

Sophie: Es hat ja natürlich, das will ich überhaupt nicht abreden, einen therapeutischen

Sophie: Effekt zu schreiben, dafür schreibe ich aber Tagebuch, das liest dann auch keiner,

Sophie: aber es geht ja auch immer noch um was anderes und so wie ich jetzt zum Beispiel

Sophie: das jetzt auch in deinem Roman verstehe, geht es dir ja gerade auch darum,

Sophie: eben diese behinderte Normalität abzubilden, richtig?

Nina: Ist. Also gerade mein Roman hat für mich nichts mit therapeutischem Schreiben zu tun.

Nina: Ich möchte gerne die unterschiedlichen Bedürfnisse, Lebensentwürfe und auch,

Nina: Wünsche von verschiedenen Personen aufzeigen.

Nina: Das, was mir in meiner Arbeit als Coachin unterkommt, das, was ich auch mit

Nina: jedem Gespräch mit anderen Menschen mitbekomme und das halt die Sicht einer

Nina: sehbehinderten Personen auch mit dabei.

Nina: Aber die Bedürfnisse und Wünsche unterscheiden sich gar nicht so sehr von den

Nina: Menschen. Wir alle möchten gerne anerkannt werden.

Nina: Wir alle möchten Beziehungen haben, in denen wir uns wohlfühlen. Und das sind.

Nina: Gemeinsamkeiten, die auch meine Protagonistin hat.

Nina: Bei ihr kommt noch mit dazu, dass es für sie gerade im ersten Band noch ein

Nina: Wunsch ist, beruflich wieder neue Wege zu gehen oder auch Fuß zu fassen.

Nina: Da wurde sie ein bisschen durcheinander geschüttelt.

Nina: Und wie ihr Weg dahin ist, der,

Nina: von Rückschlägen und kreativen Ideen geprägt ist. Das ist halt ein Teil dieser Geschichte.

Nina: Aber grundsätzlich finde ich es schön, auch hinter die Fassaden zu schauen.

Nina: Also was bewegt Menschen? Was wünschen sie sich? Wodurch entstehen überhaupt Konflikte?

Nina: Wie kann man sie dann auch lösen, wenn man weiß, was dahinter steckt?

Carsten: Ich frage mich gerade, Nina, auch wenn du sagst, ich habe ja auch nicht angefangen,

Carsten: diese Geschichte damals zu schreiben, mit dem Hintergrund, ich schreibe jetzt

Carsten: mal therapeutisch. Das hat ja auch

Carsten: keinen in Anführungszeichen heilenden, whatever that means, Effekt gehabt,

Carsten: Sondern ich habe über das Schreiben halt für mich gemerkt, wo kann ich ran,

Carsten: wo kann ich vielleicht auch nicht rangehen.

Carsten: Ja, das ist bei mir jetzt glücklicherweise nicht aufgeploppt.

Carsten: Deshalb frage ich mich gerade, kann man denn,

Carsten: also steckt da nicht irgendwo ein bisschen therapeutisch in jedem Thema drin,

Carsten: wo man einen autobiografischen Bezug halt zu hat?

Carsten: Also jetzt mal unabhängig der Behinderung, sondern sobald man über Dinge schreibt,

Carsten: die man selber erfahrungsbasiert

Carsten: bearbeiten kann, steckt für mich eigentlich auch grundsätzlich immer so ein

Carsten: psychologischer Aspekt und deshalb auch so ein vielleicht leichter therapeutischer Effekt drin.

Sophie: Ja, also ich glaube, dass man, Entschuldige, Nina, dass man vor allem gut drüber

Sophie: schreiben kann und es auch so macht, dass es vielleicht für andere,

Sophie: auch wenn ich jetzt nicht so

Sophie: Inspiration-Porn meine, aber dass es eben trotzdem inspirierend ist oder

Sophie: inspirierende Ansätze hat, wenn man diese therapeutische Arbeit für sich gemacht hat.

Sophie: Deshalb habe ich das eben gesagt, mein therapeutisches Schreiben findet unter

Sophie: Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Sophie: Aber ich fürchte, dass das Schwierige daran ist und das ist eben das,

Sophie: was es dann häufig auch zu einem gelungenen Stück macht, wie jetzt mit deinem

Sophie: auch und bei dir auch Nina,

Sophie: dass man das eben nicht mehr durchliest, sondern dass es tatsächlich dann auch

Sophie: von der eigenen Geschichte auf die Metaebene abkommt.

Sophie: Oder eben wie bei dir jetzt Nina im Roman, gar nicht mehr so dieses Fass aufmacht.

Sophie: Ich feiere jeden Film und jede Serie, wo Behinderung ganz normal mit erzählt

Sophie: wird, weil einfach einer durchs Bild läuft oder die Kellnerin behindert ist oder, oder, oder.

Sophie: Aber mich nervten diese Stereotypen. Aber ich hatte dich eben unterbrochen, Nina.

Nina: Ich glaube, dass es, also für mich ist Schreiben generell eine Möglichkeit,

Nina: um mich weiterzuentwickeln.

Nina: Also egal, um welches Thema es geht, jetzt auch wenn ich für die Arbeit Texte

Nina: geschrieben habe oder Erläuterungen, wie man ein bestimmtes Tool benutzt oder was auch immer.

Nina: Aber es hat immer damit zu tun, Sachen darzustellen, auch eine bewusste Auswahl

Nina: zu treffen, welche Informationstiefe man mit dem Text ansprechen möchte, was man,

Nina: dort wiedergibt, wie man es wiedergibt, wie man es auch aufzählt.

Nina: Ob man Aufziehungszeichen benutzt in dem Sachtext oder ob man es einem Beispiel erläutert.

Nina: Das sind so viele Aspekte, die auch zum Beispiel im Coaching benutzt werden,

Nina: um Menschen zu Erkenntnissen, ja, Erkenntnisse anzuregen.

Nina: Und daher glaube ich, dass das Schreiben an sich vielleicht immer so ein bisschen,

Nina: heilend wirkt oder klärend.

Sophie: Ja, plus, dass wir durch Geschichten eben einfach auch besser lernen.

Sophie: Also es muss ja eben kein Sachbuch sein und wir können trotzdem durch einen

Sophie: historischen Roman oder eine Biografie oder eben wesentlich besser lernen.

Sophie: Deshalb hat sich ja das sogenannte Storytelling jetzt auch komplett in alle

Sophie: möglichen Bereiche von Unternehmenskommunikation bis Coaching eingearbeitet.

Carsten: Ich finde den Aspekt noch mal ganz spannend, so wie was du gerade meintest.

Carsten: Zum Thema Inspiration Porn.

Carsten: Ich glaube, sobald es draußen ist, also

Carsten: sobald du dein geschriebenes Werk aus den Händen gibst, den Lesern in die Hand,

Carsten: die machen daraus, was sie wollen.

Carsten: Also ich glaube, man kann gar nicht intendieren, nicht Inspiration-Porn zu machen,

Carsten: weil wenn der Leser das draus macht vom Lesen her.

Sophie: Das stört mich auch nicht. Also was die daraus machen, ich bin ja jetzt nicht

Sophie: die diktatorische Autorin, die sagt, wie das gelesen werden muss.

Sophie: Das ist ja auch alles okay. Aber was mich an Inspiration Porn stört,

Sophie: das ist eben dieses, dass erst

Sophie: mal davon ausgegangen wird, dass es ein therapeutisches Schreiben ist.

Sophie: Und das dann im weiteren Verlauf, das hat jetzt gar nichts, das erleben ja wahrscheinlich

Sophie: viele Menschen mit Behinderung, ob sie jetzt schreiben oder nicht.

Sophie: Damit ist ja eher immer dieses, das ist zu inspirieren, dass du überhaupt das

Sophie: Haus verlässt und es schaffst zu Veranstaltungen.

Sophie: Ja, aber ich höre sowas wirklich. mich hat neulich ein Vater auf dem Spielplatz

Sophie: angesprochen und gesagt, toll, dass du es hierher geschafft hast.

Sophie: Ich denke, ja, du auch. Schön, du bist aus Bettelstein. Das ist toll.

Sophie: Wahnsinn. Hast die Hose auch gefunden und Schuhe, Mensch. Sehr beeindruckt.

Sophie: Ich dachte, das ist mit dir.

Carsten: Aber was ist denn dann, Sophie, das ist ein spannender Punkt.

Carsten: Da würde ich gerne nochmal mit euch beiden drüber sprechen. Was ist dann wirklich

Carsten: Betroffenheitsliteratur?

Carsten: Literatur. Also wisst ihr, was ich meine? Also wenn ich als Person

Carsten: über eine schwere Krise schreibe oder über das Thema Behinderung und wie auch

Carsten: immer, dann ist es ja oftmals für eine

Carsten: relativ große Gruppe offenbar ja eine fremde Lebensrealität. Weißt du, was ich meine?

Carsten: Also man öffnet ja vielen Leuten ein Fenster, die jetzt mit Behinderung zum

Carsten: Beispiel oder mit Krisen noch nicht so viel zu tun hatten.

Carsten: Die gucken darauf und sagen, wow.

Carsten: Aber was ist dann die Unterscheidung zwischen guter Betroffenheitsliteratur und halt

Carsten: Stereotyper Betroffenheitsliteratur?

Nina: Für mich ist es die Einbindung in die Story.

Nina: Also ist es ein, ich gehe jetzt mal davon aus, dass wir von einem Roman sprechen,

Nina: nicht von einem Sachbuch.

Carsten: Ja, ja, klar.

Nina: Dann ist es für mich die Art, wie es thematisiert wird.

Nina: Und ich glaube, das ist auch sehr persönlich, was einem dann gefällt und was einem nicht gefällt.

Nina: Ich habe so viele Bücher, deren Stil mir einfach nicht gefällt,

Nina: unabhängig, was das Thema ist.

Nina: Und wenn das Thema mich sehr, sehr, sehr stark interessiert,

Nina: höre ich sie trotzdem und verbuche das dann unter Arbeit. Und ansonsten lasse ich es halt.

Nina: Und ich mag Geschichten, die es halt nebenbei erzählen.

Nina: Also durchaus auch schon mal sagen, okay, das ist halt schwierig oder so.

Nina: Aber eher, Sophie, du hast es vorhin das auch schon mal kurz genannt, should and tell.

Nina: Also erzählen, was passiert, wie es gemacht wird, wie die Handlung ist und nicht

Nina: unbedingt, das ist total blöd und so geht das gar nicht. Und mit dieser Art

Nina: von Schrift konnte er sie überhaupt nicht umgehen.

Nina: Also dass es nebenbei erzählt wird und nicht nochmal so einen Absatz gemacht

Nina: hat, wo dann eine halbe Seite lang erklärt wird, weshalb das und das nicht gut ist.

Nina: Also vielleicht ist für mich Betroffensliteratur, die ich nicht mag,

Nina: so eine Mischung aus Geschichte, wo dann aber zwischendurch so ein belehrender Monolog kommt.

Nina: Das ist das, was ich persönlich nicht gerne mag.

Carsten: Also so eine politische Einflechtung, so der Erklärbär nochmal drin,

Carsten: nach dem Motto du lieber Leser, erzähl dir jetzt mal hier, I tell you the truth.

Nina: Ja, ich glaube, es liegt an dem Monolog. Also wenn zu viel Ich mag das auch

Nina: nicht, wenn Menschen miteinander sprechen, wenn eine Person dann minutenlang

Nina: erzählt und niemanden zu Wort kommen lässt.

Sophie: Naja klar, also ich denke mal für einen Roman bin ich da total bei dir,

Sophie: aber ich würde schon auch sagen, dass es auch gerade im Sachbuchbereich,

Sophie: wenn wir über Biografien und die zählen ja zu Sachbüchern, beziehungsweise das ist so,

Sophie: also auch was ich geschrieben habe, gilt im angelsächsischen Sprachraum als Memoir.

Sophie: Wir verstehen ja unter dem Memoir die wirklich vollständige Autobiografie.

Sophie: Das ist aber nicht so, sondern Memoir im englischsprachigen Raum ist,

Sophie: dass du eben Aspekte deines Lebens herausnimmst und daran etwas festmachst, daran etwas erzählst.

Carsten: Okay, also du bist Sachbuchautorin.

Sophie: Ich bin Sachbuchautorin jetzt erstmal.

Carsten: Ach, guck mal an.

Sophie: Und Lina ist jetzt sogar schon beides.

Nina: Das habe ich vorher nach dem Unterschied gefragt. Also beim Sachbücher ist ein

Nina: langer Monolog einfach Standard. Das erwarte ich da ja auch.

Sophie: Und da finde ich aber, das ist tatsächlich das, was ich mit Betroffenheitsliteratur,

Sophie: kommt ja eher so aus diesem Sachbuchbereich, wo dann tatsächlich anhand einer

Sophie: Erfahrung eben dann irgendwie ein Punkt gemacht werden soll.

Carsten: Nicht ohne meine Tochter zum Beispiel.

Sophie: Es ist witzig, dass du das sagst, weil ich habe tatsächlich auch an dieses Buch

Sophie: gehört, weil es ja so unsäglich ist und dazu ja, also wahrscheinlich auch nicht ganz,

Sophie: weiß ich nicht, was dazu fiktionalisiert wurde, weiß ich jetzt nicht genau,

Sophie: aber auf jeden Fall dramatisiert wurde.

Sophie: Aber das wäre genau so eine Betroffenheitsistatur, wo eben für meinen Geschmack

Sophie: essentielle Dinge nicht mit erzählt wurden oder weggelassen wurden wie gesagt,

Sophie: sagst du auch schon hier, es ist sehr persönlich aber

Sophie: ja und ich glaube es hat eher es ist dann natürlich eine sehr persönliche Einstellung,

Sophie: wie man wirklich gern was man gern liest und es gibt Leute, die gerade wenn

Sophie: sie überhaupt nicht betroffen sind finden das auch toll, sich in dem Leid anderer so ein bisschen,

Sophie: ich sag jetzt mal in Anführungszeichen, so suhlen und sich dann wahrscheinlich

Sophie: heimlich zu freuen, dass es sie eben verschont hat bislang.

Sophie: Ich weiß es nicht. Und ich

Sophie: Ich kann relativ viele Dinge autobiografisch oder biografisch lesen.

Sophie: Da habe ich jetzt kaum Grenzen. Ich sage, oh Gott, nee, das ist mir zu heftig oder so.

Sophie: Aber ich brauche diesen persönlichen historischen Einordnung.

Sophie: Ich brauche diesen Bezug zu irgendwas, was menschelt.

Sophie: Ansonsten spricht mich das halt nicht an.

Carsten: Spannend.

Nina: Dein eigenes Buch hast du es ja auch so gemacht, dass du immer wieder Bezug

Nina: auf die gesellschaftlichen Strukturen nimmst und auf das, was dann eigentlich

Nina: auch die Behinderung ausmacht oder erst entstehen lässt. Das fand ich sehr schön.

Carsten: Dein Buch, Sophie, ist ja ein sehr höchstpersönliches Artefakt deines Lebens.

Sophie: Ja.

Carsten: Nochmal zurück zum Thema Verarbeitung. Du hast ja dann viel auch für dich nochmal

Carsten: strukturiert, nochmal überlegt, eingeordnet, verarbeitet, richtig?

Sophie: Genau, also was für mich da spannend war, dass ich vor allem in dem Bereich

Sophie: Strukturen und so, wirklich nochmal viel gelernt habe, weil da musste ich mir

Sophie: natürlich auch ein paar Sachen anlehren, anlesen, anhören.

Sophie: Und die Erfahrung, die ich selber gemacht habe, weil ich das ja dann in diese

Sophie: fünf Haaren des Grauerns eingebettet habe, die waren, da habe ich am Anfang

Sophie: gedacht, naja, ob das überall passt, naja, was nicht passt, wird passend gemacht

Sophie: und dann habe ich gesagt, nee, passt wunderbar.

Sophie: Das ist so ein Prozess, den ich im Schreiben gemerkt habe.

Sophie: Ja.

Carsten: Also es ist ja auch spannend, aber dann durchmischst du ja auch an der Stelle,

Carsten: also du setzt dich mit deiner eigenen Biografie in einen

Carsten: sachlichen Kontext und dialogisierst das Ganze miteinander.

Nina: Ja.

Carsten: Ja, spannend. Verstehe, verstehe, verstehe.

Sophie: Und jetzt im Roman finde ich es eben spannend, weil ich, dass du eben sagst,

Sophie: klar, Nina, du schreibst eben jetzt in so einer Kriminal, einer leichten Kriminalgeschichte

Sophie: im Hintergrund, musst du es eben schon gut durchgeplant haben und dann auch

Sophie: konstruiert haben und da irgendwie den Überblick nicht zu verlieren.

Sophie: Und wie schreibst du generell, also wenn wir jetzt auch nochmal so ein bisschen

Sophie: zu so Schreibroutinen und sowas kommen, oder hast du auch Menschen,

Sophie: die dir ab und zu mal Feedback geben, wie ist da dein Setup?

Nina: Ja, also ich habe Menschen, die mir Feedback geben. Jetzt bei diesem aktuellen

Nina: Werk wollte ich es erst komplett zu Ende schreiben, weil es mir halt da oben

Nina: auch geht, geht es auf mit den Handlungssträngen.

Nina: Das fand ich total schade, dass ich nicht schon zwischendurch Feedback dazu bekommen kann.

Nina: Das ist wirklich ein Manko an dieser Art von Struktur, wie ich finde.

Nina: Ich habe es dann halt, als es fertig war, die erste Fassung fertig war,

Nina: gemacht und da halt auch.

Nina: Meine Probeleser und Leserinnen abgefragt, um zu gucken, ob es wirklich verständlich war.

Nina: Wurde das und das gesehen oder beachtet oder kam es überhaupt drüber?

Nina: Und dann war ich ganz beglückt, dass das bis auf eine Kleinigkeit wirklich funktioniert hat.

Nina: Und da war es auch teilweise halt abhängig von der Altersstruktur,

Nina: wo noch mal eine Rückfrage war oder so.

Nina: Das fand ich richtig cool, weil auch meine Großcousine, die ist Mitte 80,

Nina: hat es gelesen und hat natürlich auch noch mal ganz andere Fragen gestellt und

Nina: eine tolle Anregung gegeben,

Nina: aus Büchern, die sie sonst gerne mag, dass am Anfang noch mal kurz beschrieben

Nina: wird, um wem geht es in dem Band, sodass man die Namen noch mal schnell nachschauen

Nina: kann, wenn man mittendrin ist.

Nina: Das fand ich richtig klasse. Na cool.

Carsten: Spannend, also meine Erfahrung, je mehr Leuten du das zum Lesen gibst, desto subjektiver,

Carsten: also ich habe mein Ding damals über drei oder vier Leuten zum Lesen gegeben

Carsten: und habe dann aber irgendwann festgestellt,

Carsten: da ist dann viel so der subjektive Guss der Personen, die die Lesen haben,

Carsten: so mit drin und irgendwann muss ich eine Entscheidung treffen,

Carsten: wie es mir gefällt. Weißt du, was ich meine?

Nina: Ja, das kenne ich auch.

Sophie: Zehn Fragen, zehn Meinungen so ungefähr.

Carsten: Ja, genau. Ja, also auch dieses Thema, was ist dann eigentlich,

Carsten: also was will ich eigentlich?

Carsten: Ja, also wie soll es für mich dastehen und was gebe ich eigentlich raus?

Carsten: Und dann auch, das fand ich übrigens noch so einen spannenden Punkt,

Carsten: den ich gerne mit euch nochmal besprechen würde.

Carsten: Du schiebst dann was raus in die Öffentlichkeit

Carsten: Und dann ist es im Grunde weg und man guckt immer so, gibt es irgendwo Feedback,

Carsten: kommt irgendwas rein oder wie auch immer.

Carsten: Aber man hat ja nicht mehr in der Hand, ob was kommt und wenn dann was kommt.

Nina: Und ob du es mitbekommst, ja.

Carsten: Ja, also dieser Punkt, das dann auch loslassen und zu sagen,

Carsten: ab jetzt, ihr hört es den Leuten, die lesen und ist deren Spiegel, in den die gucken.

Carsten: Also man hat zwar den Spiegel gebaut, aber was die letztendlich drin sehen,

Carsten: ist sich selbst halt. Weißt du, was ich meine?

Nina: Ja.

Carsten: Die sehen nicht mehr mich, sondern die sehen halt, also die sehen nicht mehr

Carsten: meine Geschichte, nicht mehr mich als Person, sondern die sehen eigentlich nur

Carsten: noch das, was sie selbst mitbringen.

Nina: Eine schöne Metapher.

Sophie: Wie war es bei dir, Nina? Hast du da Feedback entsprechendes bekommen?

Sophie: Also hast du da was von außen?

Nina: Ja, ich habe Feedback bekommen, teilweise über auch so Rezensionen,

Nina: die alle sehr positiv waren, also wenige, aber alle positiv.

Nina: Und auch das, was mir sonst zurückgespiegelt wurde, war positiv.

Nina: Es war eher so das Ausbleiben von einer Reaktion, aus der ich vermutet habe,

Nina: dass es die Person vielleicht nicht ganz abgeholt hat oder nicht interessiert hat.

Nina: Örn.

Sophie: Also ich kenne das bei Lesungen manchmal, wo ich jetzt nicht so viele Leute kannte, dass

Sophie: die dann manchmal ein bisschen erschlagen waren und obwohl das ein sicherer

Sophie: Raum war, wo man schon an dem Tag zuvor Workshop zusammen gemacht hatte und

Sophie: sich auch ein bisschen kannte und so,

Sophie: war das dann so, dass die erstmal alle so ein bisschen wie sprachlos waren und

Sophie: dann auch darauf angesprochen gesagt haben, boah, ich muss das erstmal sacken lassen.

Sophie: Da würde ich jetzt gar nicht denken, dass die Leute dann nicht abholt und dass

Sophie: dann natürlich auch noch diese ganze Problematik von wie, was darf ich denn

Sophie: jetzt dazu sagen und wie sage ich es, wenn ich was sage und was darf ich fragen und was nicht

Sophie: aufpoppt, da hilft es dann immer wenn man andere Behinderte im Publikum hat und die einfach fragen

Sophie: und das kenne ich, aber ich kenne auch, dass mir Leute also zum Beispiel die

Sophie: Sprechstundenhilfe bei meinem Augenarzt wirklich dann so zugeraunt hat,

Sophie: na da haben sie aber Einblicke gewährt.

Carsten: Also, da haben sie was?

Sophie: Einblicke gewährt. Das ist einfach so Übersharing zu sagen.

Sophie: Und das ist mir häufig gespiegelt worden von Leuten, wo ich gemerkt habe,

Sophie: ja, aber das ist euer Thema, das lasse ich schön bei euch.

Sophie: Denn das ist in meinen Augen genau das Problem, dass ihr damit nicht abgehört.

Carsten: Sei bitte behindert, Sophie, aber sprich nicht drüber.

Sophie: Ja, darf es bitte nicht so ansehen.

Carsten: Und das ist halt nochmal so diese, Das ist immer schön wieder beim Thema Betroffenheitsliteratur.

Carsten: Diese Kategorisierung, die findet ja nicht sozusagen von den Leuten statt,

Carsten: die schreiben, sondern die, die letztendlich konsumieren.

Sophie: Genau, und das ist eben ihre, das hast du schön jetzt rausgearbeitet.

Sophie: Es ist nämlich tatsächlich deren Problem, warum die ihre Betroffenheit für sich

Sophie: noch nicht analysiert oder klar gezogen haben.

Carsten: Ja, und das ist das Spannende, das würde ich gerne mal mit euch teilen.

Carsten: Also wie gesagt, bei mir geht ja nur um eine, ich bin ja hier sozusagen eine

Carsten: Küken, ja, ich werde auch andere Sachen zu tun, als weiter zu schreiben.

Carsten: Schade. Schade, Carsten. Das war sehr schön. Das ist noch die Frage,

Carsten: weil, wie gesagt, ich kann bloß mal teilen, wie gesagt, dieses Projekt von Kulturregen

Carsten: hier, Menschen mit Behinderung

Carsten: schreiben kurze Schichten als Autoren, die vorher noch nie geschrieben haben.

Carsten: Hallo, Carsten Otto, wunderbar.

Sophie: Unseen Lives heißt das.

Carsten: Unseen Lives, genau. Ich verlinke das nochmal in den Show Notes. Eure übrigens auch.

Carsten: Und schreibt diese kurze Schichte und mein Schreibcode, Stefan,

Carsten: sagte auch zu mir, naja, schreib doch über deinen Unfall. Und er hat gesagt,

Carsten: ey, Alter, ich habe gar keinen Bock.

Carsten: Ich will da nicht drüber schreiben, nicht weil es mich zu sehr berührt oder

Carsten: wie auch immer, sondern ich habe keinen Bock, nochmal irgendwas an Betroffenheitsliteratur

Carsten: auf diesen Markt zu schmeißen. Und er hat gesagt, na, mach es doch anders.

Carsten: Das fand ich schon mal sehr spannend, ja, spannender Punkt. Und als es dann raus war,

Carsten: Natürlich aufgrund dessen, dass es nur sehr, sehr klein publiziert worden ist

Carsten: und wie auch immer, gab es halt sehr, sehr wenig

Carsten: Feedback dazu, das muss ich auch erst mal verarbeiten und jetzt kommt der ganz

Carsten: spannende Aspekt, dass gerade die Leute, also ich habe natürlich meine Schwester,

Carsten: meine Mutter, mein engster Familienkreis, die haben sich das angehört, finden das alle gut,

Carsten: aber gerade in meinem Freundeskreis, so gerade die Leute, die damals in der

Carsten: Zeit auch mich begleitet haben, da habe ich das Gefühl und teilweise wurde mir

Carsten: das auch ganz klar so gesagt, du, ey,

Carsten: ich kann mir das nicht anhören, das

Carsten: Das ist mir zu krass. Also wirklich enge Freunde, die dann gesagt haben, sorry Otti,

Carsten: ich kann mir das nicht anhören. Und das finde ich unheimlich spannend.

Carsten: Wisst ihr, was ich meine?

Carsten: Also das ist nochmal so der Punkt, wo man eigentlich denkt, ihr wart doch selber mit dabei.

Carsten: Aber das ist dann doch zu viel, ganz offensichtlich. Das fand ich,

Carsten: ist so eine unheimlich spannende Erfahrung.

Carsten: Und auch Leute, die selber viel durchgemacht haben. Ein guter Kollege von mir

Carsten: zum Beispiel, der meinte dann auch an irgendwas zu mir, wo ich gesagt habe,

Carsten: da hast du das schon mal gehört. Er sagt, tut mir leid, ich kann es nicht. Kennt ihr das auch?

Nina: Ganz aus meiner Perspektive bestätigen. Wenn ich gerade in der Phase bin,

Nina: wo es mir aufgrund was auch immer nicht so gut geht, dann möchte ich mich mit

Nina: sowas auch nicht beschäftigen.

Nina: Also ist ja auch mit Grund, weshalb es jetzt kein Krimi geworden ist,

Nina: wo ständig einer was auf die Mütze kriegt.

Carsten: Ja, ja.

Nina: Und von daher kann ich mir das ganz gut vorstellen, also gerade bei den Kollegen,

Nina: den du gerade erwähnt hast, das passt zu dem, wie ich mich dabei fühlen würde.

Nina: Wenn ich gerade in der Phase bin, wo ich ohnehin schon angespannt bin oder besorgt

Nina: wegen etwas, dann passt es für mich nicht. Ich muss das aus einer Stimmung heraus

Nina: machen, wo es mir selbst eigentlich ganz gut geht.

Carsten: Das kann ich nachvollziehen. Deshalb höre ich immer Terry Pratchett zum Einschlafen.

Sophie: Ja, das sind ja auch valide Gründe. Nichtsdestotrotz glaube ich,

Sophie: dass das auch viel damit zu tun hat, jetzt unabhängig wie nah die Leute einem stehen oder

Sophie: Wie auch der eigene Umgang zu Gefühlen dieser Art ist und das Zulassen von solchen Emotionen.

Sophie: Das hat natürlich auch was damit zu tun, kann ich mich darauf einlassen oder

Sophie: will ich generell da nicht hingucken.

Sophie: In meinem neuen Roman geht es jetzt um Trauerarbeit und da ist es ja auch so.

Sophie: Da gibt es so viele Leute, die nie wissen, was sie sagen sollen.

Sophie: Am liebsten schnell die Beerdigung und dann nicht wieder darüber reden und nicht

Sophie: so da reingucken. Und das ist ja genauso falsch. Also es hilft jedenfalls den

Sophie: Trauernden und Angehörigen sehr wenig.

Sophie: Aber da denke ich, ist das dann schon,

Sophie: das steht dann irgendwo in der Persönlichkeit für die Leute auf dem Weg und

Sophie: man merkt, dass da eben natürlich nicht so eine Arbeit

Sophie: an sich selber oder an diesem Thema gemacht wurde, wie du sie natürlich zwangsläufig,

Sophie: wie wir sie alle drei die ganze Zeit machen mussten in unserem Leben.

Sophie: Das ist dann alternativlos.

Sophie: Und klar, kann man auch nicht erwarten, dass das jeder macht.

Sophie: Aber hilfreich ist es schon, sich auch, finde ich, bei bestimmten Themen,

Sophie: das müssen jetzt nicht unsere Themen sein, aber ich finde schon,

Sophie: bei bestimmten Themen darf man sich auch mal zwingen, in düstere Keller zu gucken,

Sophie: die eben nicht so schön sind.

Sophie: Finde ich bei Literatur jedenfalls. Also für mich müsste zum Beispiel zwölfter

Sophie: Jahrgang jeder Stüpp für sich allein ein Pflichtdickerstür sein. Hans Valala.

Carsten: Okay. Okay, okay, okay. Ich frage mich immer, Empathie, mitschwingen,

Carsten: also braucht man Erfahrungen, um mitzufühlen, ja oder nein?

Carsten: Also weißt du, ich meine, das ist so der erste Punkt und der zweite Punkt,

Carsten: inwieweit, jetzt mal auch ganz kritisch mal betrachtet, inwieweit stellt man

Carsten: sich mit so einem Resilienz-Outing, so möchte ich es jetzt okay,

Carsten: okay, okay. mal bezeichnen,

Carsten: wird man und stellt man sich selbst auch in gewisser Distanz und vielleicht auf den Sockel.

Carsten: Wie sagt man, ganz kritisch,

Nina: Liebevoll kritisch. Ich habe es geschafft.

Carsten: Wie meinst du?

Sophie: Der Sockel ist das, ich habe es geschafft, ich habe Resilienz besiegt.

Sophie: Oder verstanden für mich.

Carsten: Genau.

Nina: Ich glaube, das kommt sehr darauf an, wie du schreibst.

Carsten: Ja.

Nina: Und vielleicht, was das Interesse angeht,

Nina: gibt es, glaube ich, generell große Unterschiede, wer sich für welche Bandbreite,

Nina: interessiert und für wen es halt Wohlfühlliteratur gibt,

Nina: also wo die Komfortzone einfach kleiner ist, wenn man es mal so ausdrückt.

Nina: Und wenn ich Menschen, die sich auch gerne so ein bisschen außerhalb der Komfortzone etwas anlesen,

Nina: das passt für mich zum Beispiel ganz gut, wenn ich Bücher habe,

Nina: wo ich denke, ach, also irgendwie ist das schon ein,

Nina: bisschen unangenehm aufregend, aber interessant.

Nina: Und wenn diese Mischung halt nicht kommt, dann liest man, glaube ich,

Nina: Dinge nicht und möchte sich damit nicht beschäftigen.

Carsten: Ja.

Sophie: Ja, und zu dem Sockelthema, also ich würde jetzt mal unterstellen,

Sophie: also wenn ich von mir spreche,

Sophie: es gibt sicherlich Menschen, die schreiben, die wirklich nur schreiben,

Sophie: weil sie gerne schreiben und denen das mit dem Sockel überhaupt nicht so richtig,

Sophie: also die das nicht so anpasst.

Sophie: Aber ich glaube, für mich gesprochen, ich möchte natürlich auch, dass es jemand liest.

Sophie: Und das bedeutet nicht, dass ich damit dann auf einem Sockel stehen muss,

Sophie: egal wofür, sondern lediglich, dass es bei Menschen resoniert.

Sophie: Und wie, das ist dann, wie gesagt, eine sehr persönliche Erfahrung,

Sophie: aber dass dieses Resonieren dann eben auch in einem Sinne passiert,

Sophie: dass ich mich damit auch sozusagen, die Idee, die ich auch mir erhofft habe.

Sophie: Und ob man jetzt auf einem Sockel steht, das hast du eben ja gesagt,

Sophie: Nina, das hat viel damit zu tun, wie man schreibt, aber auch wie man das natürlich

Sophie: dann rüberbringt im Anschluss.

Sophie: Also stelle ich mich dann da in einer Lesung hin und sage, ja,

Sophie: also ich habe es geschafft, so herzlichen Glückwunsch. Und ich kann sich gerne

Sophie: bei mir mal jetzt im Workshop melden.

Sophie: Das ist ja Quatsch. Also ich zeige mich ja, ich glaube, bei mir ist es tatsächlich

Sophie: eher so, dass ich mich ja auch heute immer noch sehr verletzlich zeige.

Sophie: Und das bei Menschen resoniert. Und das würde ich jetzt euch beiden auch mal

Sophie: unterstellen, dass ihr das auch kennt.

Carsten: Nee.

Sophie: Ja, du nicht. Aber Nina kennt das bestimmt auch,

Sophie: dass man im Gespräch, sei es jetzt beruflich, in einem Coaching oder wenn du

Sophie: in einem Unternehmen bist oder bei dir so, dass man da eben mit Leuten natürlich

Sophie: besser ins Gespräch kommt, wenn man sich öffnet und verletzlich zeigt.

Sophie: Denn erst dann entstehen ja die wirklich interessanten Gespräche.

Sophie: Ich will ja da nicht nur gelobhudelt werden.

Carsten: Logisch.

Nina: Ich glaube mich auch mit zur Aufrichtigkeit.

Nina: Authentizität. Ein Gespräch hat auch viel mit Vertrauen zu tun für mich.

Nina: Also in dem Moment, dass ich Sachen von mir erzählen kann, die,

Nina: schon sehr persönlich sind, aber das bewirkt meistens auch, wenn man gegenüber,

Nina: ein größeres Vertrauen und größere Möglichkeiten sich selbst zu öffnen.

Carsten: Gut, da hat man beim Schreiben jetzt nicht so in der Hand, aber das finde ich

Carsten: nochmal einen spannenden Aspekt, vielleicht leuchten wir aber zum Ende nochmal drauf.

Carsten: Denkt ihr drüber nach, welche also was ihr beim Leser auslösen wollt?

Carsten: Also schreibt ihr auch aus sozusagen Customer Perspective, also aus der Leserperspektive?

Carsten: Reflektiert ihr das während des Schreibens?

Nina: Ich glaube, ich kann mit der Frage noch nicht ganz anschließen.

Nina: Also das, was ich bei Lesern auslöse, kann ich ja einfach gar nicht beeinflussen.

Carsten: Bei mir ist es ja so, Also das war irgendwann so ein Punkt,

Carsten: der hat sich organisch ergeben, weil irgendwie meinte dann Stefan zu mir,

Carsten: hier mach mal noch einen Handlungsstrang und da, wisst ihr was ich meine,

Carsten: also ich hab ja drei Handlungsstränge in dieser Kurzgeschichte,

Carsten: die ich erst wirklich zum Ende zusammenführe.

Carsten: Und die sind am Anfang so abstrakt und die trennen voneinander.

Carsten: Und das ist auch das, was ich wollte, so eine Irritation auch im Kopf bei den

Carsten: Leuten, die lesen, zu erzeugen und auch mit der Dichte,

Carsten: wie ich schreibe, also wie viel auf einmal parallel nacheinander passiert,

Carsten: dass sozusagen man auch, wenn man liest,

Carsten: bestmöglich den Überblick einfach verliert.

Carsten: Weil es halt auch sozusagen das Gefühl, was ich in der damaligen Zeit hatte,

Carsten: unheimlich widerspiegelt.

Carsten: Wisst ihr, was ich meine? Also die sind wechselbar, die fühle,

Carsten: das passiert, das passiert, ein krassere Ding passiert nach dem anderen und

Carsten: man kommt eigentlich gar nicht mehr zum Luftholen, man kommt gar nicht mehr

Carsten: in der Situation, das mal sacken zu lassen, weil dann schon wieder das nächste

Carsten: und das nächste und das nächste und das nächste kommt.

Carsten: Und ich entschleunige das Ding eigentlich zum Ende hin.

Carsten: Ich führe das zum Ende hin zusammen und entschleunige es dann und mache erst

Carsten: dann auch diese sozusagen Verknüpfung

Carsten: eigentlich deutlich zwischen den verschiedenen Handlungssträngen.

Carsten: Und das habe ich zum Beispiel irgendwann bewusst gesehen und dann auch nochmal

Carsten: wirklich haarscharf rausgearbeitet, dass dieser Eindruck auch bei denen entsteht,

Carsten: die lesen. Ob es so ist, weiß ich nicht.

Sophie: Ich habe am Anfang gedacht, ich bin in der falschen Geschichte,

Sophie: weil es ja mit dieser Frau losgeht, die die Führung in Marzahn macht.

Carsten: Nee, zuerst geht es im Krankenhaus los. Aber dann ist der zweite Absatz sofort die Geschichte, genau.

Sophie: Genau. Also ich habe dann an dem Moment gedacht, weil ich es auch gehört habe,

Sophie: vielleicht bin ich jetzt in eine falsche Geschichte gesprungen und dachte,

Sophie: es geht jetzt schon die nächste, weil ich wusste ja, dass es mehrere Hörspiele sind.

Carsten: Ja, genau.

Nina: Meine Interpretation war, dass das zum Unfallgeschehen gehört.

Carsten: Genau. Und das war genau diese zwei Handlungsstränge,

Carsten: diese Führung durch Marzahn und ich im Krankenhaus, das ist ja sozusagen von

Carsten: ganz tief locked in bei mir, Koma und ganz weit außen.

Carsten: Da fängt es ja an und das fühlt sich erst ganz am Ende zusammen.

Sophie: Und Nina, ich meine, als Sachbuchautorin denkt man natürlich die Zielgruppe mit.

Sophie: Das ist ja irgendwo auch ein bisschen der Sinn der Sache. Aber wie findest du

Sophie: es beim Roman? Wie geht es dir da?

Nina: Also für mich ist natürlich der Anspruch, dass es verständlich und plausibel ist.

Nina: Nicht sofort, sondern dass sich das halt zusammenfügt. Also gerne auch mit Rätseln

Nina: erstmal, wie das wohl zusammenkommt und ob da noch was passiert oder nicht und

Nina: wie A mit B jetzt zusammenhängt oder vielleicht auch nicht.

Nina: Aber dass es sich am Ende zusammenfügt, das ist das, was ich beabsichtigt habe

Nina: bei dieser Art von Roman.

Nina: Und,

Nina: ich glaube, ich bin da mehr in der Situation, dass ich glaube,

Nina: dass Leser und Lesende das Buch finden, das zu ihnen passt.

Nina: Also ich kann gar nicht für eine Zielgruppe schreiben,

Nina: weil es für mich isolorisch Quatsch, bitte streich das.

Nina: Also gar nicht denkbar ist. Danke.

Nina: Dass ich eine Zielgruppe ausmachen kann, für wen das interessant ist und wie

Nina: die Menschen das gerne aufnehmen.

Nina: Ich schreibe in dem Moment so, wie es für mich passend ist und gehe davon aus,

Nina: dass es auch viele Menschen gibt, für die das auch passt.

Sophie: Ja, also ich kann das für mich gar nicht ausklammern, dass das nicht mitschwingt, gerade weil

Sophie: ich mir natürlich einerseits wünsche, dass ich so frei schreiben könnte,

Sophie: dass es irgendwie nicht, mich jetzt nicht den Plot irgendwie mit beeinflusst

Sophie: oder dass es auch natürlich möglich sein muss,

Sophie: Szenen und Charaktere zu entwickeln, die unter heutigen Gesichtspunkten natürlich

Sophie: total anstößig wären oder so, das ist uns ja alles gewollt mitunter.

Sophie: Merke aber manchmal beim Schreiben, wie das dann auch schwierig ist,

Sophie: sowas zu schreiben und da nicht zu denken, oh Gott, oh Gott, oh Gott.

Sophie: Aber ich finde schon auch, dass das irgendwo im Hintergrund mitläuft, so eine Überlegung.

Sophie: Und klar, richtig definieren kann ich die Zielgruppe auch nicht,

Sophie: aber alleine durch die Wahl der Sprache, durch den Wahl des Themas und klammere

Sophie: ich ja bestimmte Menschen vielleicht schon mal aus oder andere wieder lade ich ein.

Sophie: Und ich denke, das ist so ein bisschen so ein Tanz, dass ich mir das schon überlege,

Sophie: aber nicht jetzt, dass das nicht dominant meinen ganzen Schreibfluss da irgendwie beeinträchtigt.

Nina: Ich würde mehr überlegen, wenn ich Charaktere hätte, die ich unsympathisch finde.

Nina: Wie viel ich da reingebe, wie stark ich das forciere, was diese Menschen tun oder sagen.

Nina: Da würde ich mehr ins Überlegen kommen, was ich meiner Leserschaft zumuten möchte.

Sophie: Ich habe jetzt gerade, das habe ich dir im Vorgespräch kurz erzählt,

Sophie: ich habe ja jetzt immer so eine Feedback-Gruppe, was ganz toll ist,

Sophie: so eine Schraubgruppe, wo wir uns einmal im Monat treffen und drei Personen

Sophie: können jeweils zehn Seiten einreichen und da kriege ich echt immer wahnsinnig wertvolles Feedback.

Sophie: Und da fällt mir aber manchmal auf, dass mein Roman schon in dieser Zeit in Berlin spielt,

Sophie: wo man ein bisschen anderen ein dickes Fell brauchte, als Frau unterwegs zu

Sophie: sein, sage ich jetzt mal ganz vorsichtig.

Sophie: Und diese Erfahrung, wo ich immer bei denen merke, bei einigen merke,

Sophie: die sagen, das sind ja so Arschgeigen, die du da hast, das ist dann los und wie können die da?

Sophie: Ich denke, ja, aber das ist jetzt nicht so, dass ich das alles erlebt hätte

Sophie: oder so, aber das sind ja Szenen, die nicht weit von der Realität weg sind.

Sophie: Ich denke so, dass ihr dann denkt, dass das schon so total katastrophal ist,

Sophie: das zeigt eigentlich, dass ihr einen ganz schön glücklichen Beziehungsstatus

Sophie: scheinbar habt und euch da nicht so mit verbinden könnt.

Sophie: Und das finde ich dann immer ganz spannend.

Nina: Spielt es in einer anderen Zeit als jetzt? Also gar nicht so zehn Jahre?

Sophie: Ja, genau, also jetzt so zehn Jahre vorher, Ja, das ist ja noch gar nicht so

Sophie: lange, aber ich finde es doch erstaunlich, wenn ich denke, wie ich auch noch

Sophie: vor zehn Jahren war. Und da kommen wir ja auch zu diesem, da mache ich sozusagen

Sophie: eine kleine Schleife zu dem Podest-Thema.

Sophie: Denn dieses Ganze, man ist ja eigentlich nie fertig. Also wenn ich an mich,

Sophie: an die Sophie von vor zehn, 15 Jahren denke, ist es eine ganz andere als die heute.

Sophie: Und ich werde wahrscheinlich in zehn Jahren auch noch mal ein bisschen anders

Sophie: sein. Also dieser ganze Anspruch, sich auch weiter zu entwickeln.

Sophie: Der springt da ja auch immer noch mit, aber deshalb finde ich das umso spannender,

Sophie: dass zehn Jahre eben, ich wollte

Sophie: halt zum Beispiel dieses ganze KI-Thema ausklammern, weil mich das nervt.

Carsten: Ich habe keinen Bock drauf.

Nina: Ich glaube aber auch, dass sich die Gesellschaft schon verändert hat und das

Nina: ist vor 10, 15, 20 Jahren oder auch, wenn ich jetzt zu meiner Geburt zurückgehe,

Nina: ich habe für meine Masterarbeit halt auch über Behinderung und die Sicht auf

Nina: Behinderung recherchiert,

Nina: das war damals wesentlich härter als jetzt.

Nina: Also alleine was Literatur angeht und Ratschläge für werdende Eltern,

Nina: das wird heute nicht mehr so publiziert.

Carsten: Hoffen wir, dass es so bleibt.

Nina: Ja, das wäre schön, wenn es weiter in diese Richtung geht. Und ich sehe es immer

Nina: als gutes Zeichen, wenn jüngere Menschen Sachen schlimm finden,

Nina: die für mich damals leider zum Alltag gehörten.

Nina: Weil das zeigt, dass sie mittlerweile eine andere Lebensrealität haben.

Sophie: Ja, geht mir ganz genau so. Sag mal, Nina, wir haben ja vorhin kurz über Tools

Sophie: gesprochen, die nicht immer gut funktionieren.

Sophie: Ansonsten gibt es so Tricks, die bei dir gut funktionieren oder Sachen,

Sophie: wie du gut ins Schreiben kommst, also ein Setup, was dir hilft.

Nina: Also um anzufangen zu schreiben.

Sophie: Oder ja, erstmal genau um anzufangen, aber auch etwas, wo du sagst,

Sophie: das erleichtert dir auch die Arbeit wirklich beim richtig tippen oder in den

Sophie: Flow kommen oder überhaupt ins Schreiben zu kommen.

Nina: Also was den Flow angeht, habe ich überhaupt keine Probleme.

Nina: Was so Korrekturen und alles andere angeht, ist es natürlich hart.

Nina: Also das ist ja sehr schwierig. Ich bin froh, dass ich mit zehn Fingern schreiben kann.

Nina: Das funktioniert super also das heißt, die Art des Schreibens ist das Schönste daran das ist,

Nina: einfach meistens fließt es einfach so von der Hand und wenn da nur Stellen sind,

Nina: wo ich nicht so gut weiterkomme muss ich halt, also hilft es bei mir wenn ich

Nina: mit anderen Menschen drüber spreche,

Nina: um das nochmal für andere deutlich zu machen was dahinter steckt und meistens

Nina: kriege ich dann eine Idee, weshalb es hakt oder wie ich es anders machen muss,

Nina: damit es wieder in den Flur kommt Aber Korrekturen sind wahnsinnig heftig.

Sophie: Lässt du dir das, Entschuldigung, dass ich unterbreche über den Screen wieder dann vorlesen?

Nina: Ja, da entdecke ich auch mittlerweile einige Fehler.

Nina: Das ist bei mir aber auch egal, ob ich es höre oder lese, weil ich es selbst

Nina: geschrieben habe, gehen die Gedanken sofort weiter.

Nina: Also dieses gezielte Buchstabe für Buchstabe, hören oder lesen,

Nina: fand ich schon immer schwierig.

Nina: Und Wörth ist ja leider auch nicht so die beste Möglichkeit,

Nina: um Grammatikfehler auszumärzen.

Sophie: Aber da finde ich den Screen-Ware tatsächlich hilfreich. Um jetzt wirklich so

Sophie: richtig Rechtskreib oder auch Grammatikfehler zu finden, finde ich das ganz hilfreich.

Sophie: Ich finde das, weil ich immer noch so eine Siri-Stimme habe,

Sophie: die dem hervorliest, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich natürlich nicht

Sophie: so ein gutes Vorlesegefühl für den Text bekomme.

Sophie: Und da manchmal einfach einen Textfluss aufsetze, der da gar nicht entsteht

Sophie: oder der da gar nicht ist oder der vielleicht nur in meinem Kopf existiert,

Sophie: das merke ich dann immer, wenn tatsächlich mal eine lesende Person vorliest.

Sophie: Und da finde ich, da merke ich dann zum Beispiel, ich arbeite anders.

Sophie: Also ich kenne Flo auch und das habe ich auch manchmal, aber ich arbeite eigentlich

Sophie: so, dass ich zwar schon erstmal drauf losschreibe, aber dann sehr schnell dazu tendiere

Sophie: zu stoppen, ein Stück zurückzugehen, das nochmal überzuüberarbeiten.

Sophie: Also ich habe so eine Maulwurf-Taktik beim Schreiben.

Sophie: Und das funktioniert für mich sehr gut. Und ich liebe auch das Rewriting.

Sophie: Also ich bin sehr Fan von dem Überarbeiten der Texte, weil ich tatsächlich durch

Sophie: das hundertfache Überarbeiten dann irgendwann zu einem Ergebnis komme, das mir dann gefällt.

Sophie: Und deshalb kann ich gar nicht so, ich habe einen Autor, mit dem ich mich auch

Sophie: immer austausche, der schreibt erstmal alles los und dann fängt er wieder von vorne an.

Sophie: Das kann ich nicht. Das ist jetzt bei dir zum Beispiel auch so,

Sophie: du musst ja schon Anfang und Ende irgendwie klar haben.

Sophie: So habe ich das jetzt in meinem Roman nicht angelegt. Ich habe erstmal nur mit

Sophie: bestimmten Szenen und den Figuren angefangen.

Sophie: Und deshalb hat sich das so langsam aufgebaut. Und ich bin immer wieder zum

Sophie: Anfang zurückgegangen und habe von da wieder runtergeschrieben.

Sophie: Und deshalb dauert das auch so ein bisschen, bis ich dann am Ende anlage.

Sophie: Aber deshalb finde ich das so spannend, wie unterschiedlich das ist.

Nina: Ja, das, was du schilderst, liegt mir überhaupt nicht. Also das ist der Teil, den ich eher...

Nina: Nein, den mag ich nur in kleinen Portionen.

Nina: Und ich bin sehr froh, dass es für mich funktioniert. Also wenn ich was runterschreibe,

Nina: ist es in den meisten Fällen so, dass ich es hinterher durchlese und damit zufrieden bin.

Nina: Und dann gibt es halt manchmal so kleine Stellen, wo ich denke,

Nina: irgendwas passt da noch nicht, das finde ich noch nicht gut.

Nina: Und da muss ich dann halt auch länger daran arbeiten.

Nina: Und wenn ich es dann geschafft habe, freue ich mich. Aber der Weg dabei,

Nina: also während ich da versuche, das Richtige zu finden, das ärgert mich.

Nina: Das ist nicht das, was ich am Schreiben gerne mag.

Sophie: Witzig.

Carsten: Ach, schön, ihr Lieben. Ich hab mal in meine Kaffeetasse geguckt.

Nina: Hallo.

Sophie: Aber man könnte ja irgendwie nach Stunden drüber reden.

Carsten: Ja, das ist wirklich, wie gesagt, wirklich spannend. Und, ähm,

Carsten: der Kitzel für mich rausnehme, ist, ähm, also wie gesagt, worauf ich noch lange

Carsten: rumkommen werde, ist dieses Thema Betroffenheitsliteratur.

Carsten: Ja, das finde ich sehr, oder Betroffenenliteratur, finde ich es ein sehr spannendes Thema.

Carsten: Was macht es eigentlich betroffen?

Sophie: Ja, also vor allem, weil du ja vorhin sagtest, dass das, finde ich,

Sophie: sicherlich auch von so bestimmten Ratgeberliteraturen

Sophie: missbräuchlich verwendet wurde, wo es dann eben tatsächlich um so banale Weisheiten

Sophie: geht. Also ich habe es ja nicht so mit Ratgebern.

Carsten: Ja, das ist klar.

Sophie: Und da hat man ja manchmal ein bisschen das Gefühl, oh Gott.

Sophie: Aber ja, ich finde es eben immer auch wieder total wichtig und toll,

Sophie: wie divers so ein Schriftbuchmarkt und Schriftsteller Dasein eben auch ist.

Sophie: Und damit meine ich jetzt gar nicht Diversität im Hinblick auf Behinderung,

Sophie: sondern einfach dieser fantastischen Bandbreite an Lebensrealitäten,

Sophie: in die wir eintauchen dürfen oder auch wieder auftauchen.

Carsten: Ja und wie sehr auch so, das kommt für mich jetzt auch so in der Zeit schon

Carsten: mal wieder gut rausgekommen, inwieweit auch der Arbeitsprozess und das,

Carsten: was am Ende rauskommt, als ihr schriebenes Textbuch, wie auch immer,

Carsten: dann doch ein Spiegel derer ist, die schreiben.

Nina: Klar.

Carsten: Das ist sehr, sehr spannend. Von daher bringe ich euch gerne noch kurz zu einer Werberunde ein.

Carsten: Wer sollte euren Schrägstrich unseren

Carsten: Text, Texte, Bücher lesen?

Nina: Nina, fang an.

Sophie: Hau raus.

Nina: Wenn wir sind es alle, die gerne ein behagliches Buch lesen möchten,

Nina: dabei nebenbei interessante Einblicke bekommen wollen in die Lebensunwürfe und Umstände und auch,

Nina: die Bedürfnisse und Wünsche anderer Menschen.

Sophie: Schön.

Carsten: Frau von Stockhausen.

Sophie: Sie ist ja noch nicht veröffentlicht, aber wenn. Ja, ja.

Carsten: Aber hast du einen Titel schon? Ist der schon fest?

Sophie: Ich habe nur so einen Arbeitstitel.

Carsten: Okay, dann.

Sophie: Also den sollten auch Menschen lesen, die Lust haben auf diese Auseinandersetzung

Sophie: mit, wie erinnern wir, wie gehen wir mit dunklen Kapiteln in der eigenen und

Sophie: familiären Lebensbiografie um.

Sophie: Was macht das mit der Beziehung zwischen Menschen und wo suchen wir uns dann

Sophie: auch Hilfe, Ablenkung in Berlin

Carsten: Hm

Carsten: Hm Okay Muss ich noch, oder? Ja Hm

Carsten: Ich glaube

Carsten: Wer mal sich Erwachen im Nebel, ich hängs unten in die Show Notes,

Carsten: geben möchte, sollte Lust auf

Carsten: was sehr kompaktet, intensivet haben wollen, müssen.

Carsten: Was so mal wirklich ja, was glaube ich nicht so leicht verdaulich ist,

Carsten: aber einen dann doch, wenn man sich drauf einlässt, ziemlich mitreißen kann.

Carsten: Also Wechselbad, Dey, Fühle und viel, viel, viel Input. So würde ich es

Carsten: ja, so würde ich es beschreiben. War?

Sophie: Schön.

Carsten: Genau.

Sophie: Und Nina, dein Buch erscheint dann jetzt hoffentlich Anfang,

Sophie: Mitte Dezember November schon. Mitte November, genau. Sodass wir es dann hoffentlich

Sophie: Weihnachten verschenken können.

Nina: Ja, also das sollte auf jeden Fall klappen. Ich denke, spätestens Ende November ist es draußen.

Sophie: Und sitzt du schon dann an dem Band 2?

Nina: Ja, natürlich.

Sophie: Du bist ja wirklich da. Toll. Wunderbar.

Nina: Also nein, momentan noch nicht. Ich gönne mir heute und morgen noch einen Tag,

Nina: Freizeit und alles Mögliche. Du traust dich auf.

Sophie: Also das ist ja du mit der Ironie.

Nina: Ich muss nicht zusammenreißen.

Carsten: Ach schön. Freizeit, ihr Lieben. Last Feierabend machen.

Nina: Genau.

Sophie: Vielen Dank. Ich wünsche dir jetzt hier nochmal ganz viel Schlussakkord Erfolg

Sophie: für die letzten Planungen und dass es dann richtig gut durchstartet.

Nina: Ja. Alles Gute für Schreiben, für das Ende der Geschichte. Ich bin gespannt.

Nina: Lass hören, wann es veröffentlicht ist.

Nina: Ich bin sehr gespannt da drauf.

Carsten: Ich werde euch lesen.

Nina: Ja, super.

Carsten: Bitte als Hörbuch jeweils.

Nina: Ja, ich arbeite dran.

Carsten: In dem Sinne, ihr Lieben, war schön. Bis zum nächsten Mal, Nina.

Nina: Wunderbar, das wird mich.

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